Cottbuser Festivalchef: KI-Filme sind eigene Kunstform
Bilder aus dem Computer statt Aufnahmen mit der Kamera: Beim Filmfestival Cottbus läuft am heutigen Mittwoch ein laut Veranstalter vollständig mit Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugter Spielfilm im Hauptwettbewerb. Für Programmdirektor Bernd Buder könnte damit eine neue Kunstform entstehen: «Ich würde es fast schon als KI-Genre bezeichnen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Der Film «A Woman Asleep» von Vikki Bardot aus der Türkei wird um 18.15 Uhr im Filmtheater Weltspiegel gezeigt. Der rund 80-minütige Film erzählt von einer Frau, die sich zunehmend in der Welt der sozialen Medien verliert. Statt mit Schauspielern gedrehte Szenen sind künstlich erzeugte Bilder zu sehen. Für Buder ist das kein Versuch, einen gewöhnlichen Spielfilm nachzuahmen. Die ungewöhnlichen Bilder mit Spiegelungen, Menschenmengen und endlosen Perspektiven ließen sich mit einer Kamera kaum oder nur mit großem Aufwand umsetzen. Die KI sei hier vielmehr ein eigenes künstlerisches Mittel, vergleichbar mit Animationen. «Und es wird niemandem der Job weggenommen, es wird auch kein Schauspieler ersetzt», sagte Buder mit Blick auf die KI-Filme im Festivalprogramm. Deshalb halte er die Entscheidung, diese Filme zu zeigen, für vertretbar. Neben «A Woman Asleep» ist die KI-Dokumentation «Post Truth» von Alkan Avcıoğlu in der Sektion Spectrum zu sehen. Sie beschäftigt sich mit der Entstehung von Verschwörungstheorien und Falschmeldungen. Bei beiden Produktionen wurden die Bilder vollständig mit KI erzeugt, die Texte schrieben die Filmemacher aber selbst. Besonders interessant findet Buder, dass die Künstler mit den neuen technischen Möglichkeiten gerade die Folgen der Digitalisierung kritisch hinterfragen. Kritik an KI-Filmen hält er teilweise für vorschnell. Man müsse sich zunächst anschauen, was die Filmemacher mit der Technik geschaffen hätten, bevor man ein Urteil spreche. Zugleich sieht er offene Fragen, etwa beim Urheberrecht. Für die Zukunft sieht Buder Einsatzmöglichkeiten vor allem bei Übersetzungen und Untertiteln. Bei der Kreativität bleibe er dagegen skeptisch. «KI nimmt das, was vorhanden ist, und variiert es, aber es gibt keinen neuen kreativen Impuls.» Gerade das Unerwartete mache einen Film für das Publikum aber interessant. Sorgen bereitet ihm auch der mögliche Einsatz von KI zur Verbreitung manipulierter Informationen. Besonders bei journalistischen Texten bestehe die Gefahr, dass gezielt beeinflusste Daten zu verzerrten Darstellungen führen könnten. Buder hält deshalb neue Kontrollmechanismen für notwendig. Entscheidend sei letztlich, wie Menschen die Technik nutzten. Seit seiner Gründung 1991 hat sich das Filmfestival Cottbus deutlich verändert. Damals wurden 19 Filme gezeigt. Heute sind es 147 Produktionen aus 43 Ländern. Das 36. Filmfestival Cottbus dauert noch bis Sonntag. Insgesamt konkurrieren 29 Filme in drei Wettbewerben um die Preise. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenDie KI-Filme kritisieren selbst die Folgen der Digitalisierung
Wo KI an ihre Grenzen stößt - «keine neuen kreativen Impulse»