Also man musste schon kurz überlegen, ob das eigentlich ein Scherz ist. Vor wenigen Wochen kündigte der neue Intendant der Berliner Volksbühne an, vor dem Theater ein Freibad zu bauen. Mit 25-Meter-Bahn! Und Pommesbude! Matthias Lilienthal will damit nicht nur zeigen, dass er unter Theaterkunst auch versteht, «wenn zwei Leute sich nass spritzen».
Sondern für ihn ist die Aktion auch ein Protest gegen die verfallende Infrastruktur in der Hauptstadt. «Uns freut es sehr, dass wir den Freibadmangel für zwei Monate ein klein bisschen relativieren», sagte Lilienthal im Frühsommer. Am Freitag öffnet der Pool tatsächlich.
Vor dem monumentalen Theatergebäude glitzert das türkisblaue Becken. Umkleidekabinen wurden aufgebaut, Bademeister und Sicherheitskräfte engagiert. Das Projekt, das auch als Willkommensgruß an die Nachbarschaft gedacht ist, macht schon vorab Schlagzeilen.
Nun wäre die Volksbühne nicht eines der wichtigsten Theater Deutschlands, wenn sie nicht für spektakuläre Aktionen bekannt wäre. Der frühere Intendant Frank Castorf revolutionierte das Theater mit Kunstblut, Videokamera und Gebrüll. Seine Nachbesetzung führte zu Protesten und Verwerfungen.