Junge Frauen haben es heutzutage aus Sicht der 83-jährigen Feministin Alice Schwarzer schwerer als ihre Generation im Kampf um Gleichberechtigung und Frauenrechte. In ihrer Lebensführung hätten sie zwar scheinbar freie Wahl, aber die Rollenzwänge seien jetzt stärker als in den 70er Jahren, sagte die Publizistin und Gründerin der Zeitschrift «Emma» bei der Vorstellung ihres neuen Buchs «Feminismus pur. 99 Worte» in einem Berliner Kino vor etwa 400 Gästen.
Es habe damals, als sie Feministin wurde, zum Beispiel keine Influencerinnen gegeben, die schädliche Schönheitsideale bewerben und heutzutage bei vielen Mädchen Selbstzweifel und Unsicherheit einpflanzten. Viele junge Frauen wollten Subjekt und Objekt zugleich sein – und säßen damit schon in der Falle. Sie verteidige dagegen den «wahren Feminismus», betonte sie. Es gehe darum, «erhobenen Hauptes dem anderen Geschlecht gegenüberzutreten» und sich niemandem anzubiedern, sagte Schwarzer.