Die Zahl rechter Gewalttaten ist in Brandenburg nach Angaben des Vereins Opferperspektive im vergangenen Jahr auf einen Höchstwert gestiegen. Für 2025 seien 290 rechte, rassistische, antisemitische und queerfeindliche Angriffe gezählt worden, teilte der Verein mit. Im Jahr zuvor waren es 273 Angriffe. Auch die Zahl der Betroffenen habe mit 523 einen Höchstwert erreicht.
Die offiziellen Zahlen der Kriminalstatistik der Polizei wurden bisher nicht vorgestellt. Der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Noack hatte 98 rechte Gewalttaten für das vergangene Jahr in Brandenburg unter Berufung auf das Innenministerium gemeldet. Die Opferperspektive orientiert sich an der Polizeistatistik für politisch motivierte Kriminalität von rechts, die Zahlen unterscheiden sich aber - unter anderem, weil Bedrohung und Nötigung laut Verein bei der Polizei nicht als Gewaltstraftaten registriert werden.
Verein: Gezielte Angriffe nehmen zu
Die Opferperspektive sieht eine «gefährliche Normalisierung rechter Gewalt». Geschäftsführerin Judith Porath sagte, die Taten rechter Gewalttäter richteten sich hauptsächlich gegen tatsächliche und vermeintliche Migrantinnen und Migranten sowie gegen politische Gegner. «Ganz besonders besorgniserregend für uns: die Zunahme gezielter und geplanter Angriffe», sagte Porath.
Der Schwerpunkt der Angriffe liegt nach Angaben der Opferperspektive in Nordbrandenburg. Die meisten Angriffe gab es im vergangenen Jahr im Kreis Märkisch-Oderland mit 46, wie aus dem Jahresbericht hervorgeht. Dahinter folgen die Stadt Cottbus mit 38 Angriffen und der Kreis Oberhavel mit 23 Angriffen.
Flüchtlingsunterkünfte und ein Demokratiefest
Der Verein nannte drei Beispiele für rechte Gewalt im Jahr 2025: Im März griffen Unbekannte den alternativen Jugendclub in Senftenberg im Landkreis Oberspreewald-Lausitz mit Steinen an. In Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) sollen mehrere Verdächtige ebenfalls im März eine Flüchtlingsunterkunft angegriffen haben. In Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) attackierte eine Gruppe teils vermummter Männer im Juni eine Kundgebung des Bündnisses «Bad Freienwalde ist bunt».
Die zunehmende Gewalt an Schulen findet sich in den Zahlen der Opferperspektive nicht wieder: «Über Schulen werden uns keine Fälle gemeldet», sagte die Geschäftsführerin. Das Problem nimmt nach ihrer Ansicht aber dramatisch zu: «Es ist inzwischen fast wie ein Flächenbrand.»
Verein ruft Regierung zu Unterstützung auf
Die Opferperspektive ist eine Fachberatungsstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Geschäftsführerin Porath rief die neue SPD/CDU-Landesregierung dazu auf, sich «absolut schützend» vor die bestehenden Strukturen der Beratung zu stellen - auch mit Blick auf die Aufstellung des nächsten Haushalts.
In diesem Jahr kam das Aus für die Antidiskriminierungsberatung für Brandenburg bei der Opferperspektive - dies erklärte die Landesregierung mit dem Wegfall von Bundesmitteln.
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