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Filmreifer Bankeinbruch - und plötzlich ist das Erbstück weg

Filmreifer Bankeinbruch - und plötzlich ist das Erbstück weg
Mit einem Kernbohrer verschafften sich die Täter Zugang zum Tresorraum. (Archivbild) / Foto: Patrick Pleul/dpa
Mindestens vier Täter bohren sich in den Tresorraum der Sparkasse Strausberg hinein und stehlen Geld und Wertgegenstände in Millionenhöhe. Einige Schließfachinhaber klagen nun gegen die Bank.

Zu besonderen Anlässen hat ihr verstorbener Mann ihn immer am kleinen Finger getragen: ein goldener Herrenring mit einem Diamanten. Ein altes Erbstück. Dieser Verlust schmerze sie besonders, sagt die Rentnerin vor dem Landgericht Frankfurt (Oder). Seit dem spektakulären Sparkassen-Einbruch in Strausberg vor drei Jahren - als Unbekannte unbemerkt ein Loch in die Wand zum Tresorraum bohrten - ist er verschwunden. 

«Der Ring hat einen hohen emotionalen Wert für mich.» Eigentlich sollte er in der Familie bleiben und weitervererbt werden, erzählt die Frau als Zeugin vor Gericht und zeigt Fotos. Verschwunden sind aus ihrem Schließfach neben weiteren wertvollen Schmuckstücken und Bargeld auch eine Goldkette mit einem Herzanhänger von ihrem Vater. 20.000 Euro fordert sie deshalb mit ihrem Partner von der Sparkasse Märkisch-Oderland.

Wie gut war die Sparkasse geschützt vor Einbrechern?

Insgesamt gebe es nach dem Einbruch 23 ähnliche Zivilverfahren, so eine Gerichtssprecherin. Die Kläger legen der Sparkasse zur Last, keine geeigneten Schutzmaßnahmen vor Einbrüchen eingehalten zu haben. Ein Gerichtsgutachten habe Sicherheitslücken festgestellt; ein weiteres Gutachten sei in Arbeit. 

Eine Entscheidung sei erst in den kommenden Monaten zu erwarten, so die Sprecherin. Seitens der Sparkasse gibt es dem Anwalt zufolge keine Stellungnahme zu den laufenden Verfahren.

Ganz ähnlich wie der spektakuläre Einbruch in Gelsenkirchen

Der Fall erinnere stark an den filmreifen Bankeinbruch in Gelsenkirchen kurz nach Weihnachten im vergangenen Jahr, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder). «Das war eine Tatbegehung, die so aussieht wie bei uns.» In Gelsenkirchen hatten Unbekannte unbemerkt Tausende Schließfächer aufgebrochen, nachdem sie ein Loch in eine dicke Stahlbetonwand gebohrt hatten. 

Der Schaden könnte in die dreistellige Millionenhöhe gehen. Auch in Nordrhein-Westfalen klagen rund 20 Schließfachinhaber und wollen Geld von der Bank erstattet bekommen.

Einbrecher nutzen die Ruhe der Ostertage fürs Bohren

Im brandenburgischen Strausberg waren am Ostermontag im Jahr 2023 Menschen in die Sparkasse eingedrungen und hatten Bargeld und Wertgegenstände in einem Gesamtwert von mehr als zwölf Millionen Euro erbeutet. 

Von einem Nachbarraum aus hatten sie sich laut Staatsanwaltschaft durch die Wand in den Tresorraum gebohrt - über mehrere Stunden mit einem Kernbohrgerät, möglicherweise auch über Nacht und mehrere Tage. 60 Zentimeter dick war demnach die Wand und 30 Zentimeter im Durchmesser das Loch, durch das die Einbrecher einstiegen. «Das müssen eher schlanke Menschen gewesen sein», so der Sprecher.

Im Tresorraum knackten sie rund 400 Schließfächer von Bankkunden. Aus etwa 300 Fächern, so die Ermittler, nahmen sie den Inhalt mit. Einiges blieb liegen und konnte später an die Eigentümer zurückgegeben werden.

Ein Zeuge hatte damals beobachtet, wie vier Vermummte die Bank am helllichten Tag mit großen und wohl auch schweren Taschen verließen. Sie seien in ein Fluchtauto gestiegen, in dem ein Fahrer gewartet habe.

Blitzerfoto und DNA: Ein Verdächtiger wurde festgenommen

Während von den Tätern in Gelsenkirchen jede Spur fehlt, gab es in Strausberg zumindest einen Verdächtigen. Im vergangenen Jahr nahmen Einsatzkräfte einen 23-Jährigen im Berliner Bezirk Neukölln fest. Gegen ihn hatte es einen Haftbefehl gegeben. Ein Blitzerfoto von der Autobahn kurz nach dem Beutezug war ein Indiz gegen den Mann ohne Maske gewesen. Auf dem östlichen Berliner Autobahnring in Richtung Dreieck Spreeau war ein Auto mit gefälschtem Kennzeichen zu schnell unterwegs gewesen.

Außerdem hatten Ermittler eine DNA-Mischspur am Tatort gefunden. «Die Spur befand sich auf der Rückseite eines Notausgangsschilds an der Wand zum Tresorraum», sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der Clou: «Das Schild gehörte dort klar nicht hin.» Es sei angebracht worden, um Beschädigungen rund um das Bohrloch zu tarnen, so die Vermutung. Mit einer Aluminiumplatte sei das Loch verschlossen worden.

Doch die Indizien reichten den Richtern nicht

Doch der Verdächtige kam nach mehreren Monaten in Untersuchungshaft wieder frei. Die Richter in Frankfurt (Oder) hielten die Indizien für nicht ausreichend und ließen die Anklage nicht zu.

Im Fall von Diamantring und Goldkette mit Herzanhänger muss nun ein Richter entscheiden, ob die Zeugenaussage und die vorgelegten Fotos der Schmuckstücke als Beweise ausreichen. Denn die Frage sei wie immer: Woher wissen wir, was in den Schließfächern war?

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