Die tödlichen Schüsse am belebten Bahnhof Zoo hinterlassen bei vielen Menschen in Berlin ein mulmiges Gefühl. «Meine größte Sorge ist, dass unbeteiligte Menschen verletzt werden könnten», sagt Oberstaatsanwalt Thorsten Cloidt, dessen Schwerpunkt die Organisierte Kriminalität (OK) in der Hauptstadt ist. Aus seiner Sicht hat die Bedrohungslage zugenommen, weil es in Berlin zunehmend viele Menschen mit einer Schusswaffe gebe.
In der Hauptstadt vergehe kaum eine Nacht, in der nicht jemand zur Waffe greife, konstatierte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bereits im Frühjahr. Die vergangenen Tage bestätigen das: Am Freitagabend vor einer Woche schießt ein Mann auf einen 22-Jährigen, der im Graefekiez in Kreuzberg vor einem Café sitzt, und verletzt ihn. Wenige Stunden später untersuchen Polizisten Einschusslöcher an einem Friseurladen und einer Bar in Marzahn-Hellersdorf. In der Nacht zum Montag fallen dann die tödlichen Schüsse am Bahnhof Zoo.
«Wenn an drei Tagen in Folge Schüsse auf Berlins Straßen fallen und nun sogar ein Mensch sein Leben verliert, dann ist das eine besorgniserregende Entwicklung, die wir seit geraumer Zeit beobachten», kommentiert Berlins GdP-Landesvorsitzender Stephan Weh die jüngsten Fälle. In der Nacht zum Donnerstag gab es einen weiteren Vorfall in Pankow, bei denen Schüsse die Scheibe eines Lokals trafen.