Wegen Betrugstaten falscher Polizisten, die Senioren um Geld und Schmuck gebracht haben sollen, stehen zwei mutmaßliche Mitglieder einer Bande vor dem Berliner Landgericht. Es geht um 14 Taten mit einer Beute im Gesamtwert von rund 580.000 Euro. Betroffen seien Opfer im Alter von 69 bis 92 Jahren.
Wachsame Eheleute aus Berlin-Lichterfelde hatten für die Festnahme eines 26-jährigen Angeklagten gesorgt. Er gab zu Prozessbeginn seine Beteiligung als «Abholer» an mindestens sieben Taten zu. In anderen Fällen fehle ihm die Erinnerung.
Angeklagter: Hintermänner in der Türkei
Wenn es «etwas abzuholen» gab, seien ihm die jeweiligen Adressen «von Leuten aus der Türkei» mitgeteilt worden, erklärte der 26-Jährige über seinen Verteidiger. Er habe die Beute an Mittäter abgeben müssen und sei mit bis zu 400 Euro entlohnt worden. Inzwischen sei im bewusst geworden, was er den Opfern angetan habe - «es ist durch nichts zu entschuldigen». Der zweite Angeklagte, ein 23-Jähriger, schwieg zunächst zu den Vorwürfen.
Die Serie begann laut Anklage im November 2024. Damals hätten bislang unbekannte Mittäter bei einer 74 Jahre alten Frau angerufen und als angebliche Polizisten vor Einbrüchen in ihrer Wohngegend gewarnt. Anrufer hätten an die Seniorin appelliert, mit der Polizei zusammenzuarbeiten und ihr Vermögen – 50.000 Euro sowie Goldbarren im Wert von rund 84.000 Euro - zur Abholung bereitzustellen.
92-Jährige um ein Vermögen gebracht
Im Fall einer 92-Jährigen erbeuteten die Täter Gold, Schmuck und Münzen für insgesamt etwa 120.000 Euro. Einer 86 Jahre alten Frau, sei vorgegaukelt worden, ihr Schmuck müsse zur Sicherheit fotografiert werden. Der 26-Jährige aber habe die Kassette gestohlen.
Festgenommen wurde er im Januar 2026. Eine 78-jährige Seniorin und ihr 77-jähriger Mann hatten nach einem verdächtigen Anruf die Kriminalpolizei eingeschaltet und dann über Stunden hinweg mit falschen Polizisten telefoniert. Als der 26-Jährige einen Briefumschlag mit Bargeld abholen wollte, erfolgte seine Festnahme. Er befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind zwölf weitere Tage bis zum 10. Juni terminiert.
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