Brandenburg: Gesundheitsministerium sieht keinen Zusammenhang zwischen Todesfall und Schließung der Gefäßchirurgie in Potsdam
Die Schließung der Gefäßchirurgie am größten Potsdamer Krankenhaus hat laut Brandenburger Gesundheitsministerium nichts mit dem Todesfall eines Gefäßpatienten zu tun. Gesundheitsminister René Wilke (SPD) sagte im Gesundheitsausschuss des Landtags, nach dem Todesfall am Klinikum Ernst von Bergmann liege ein Gutachten vor. «Ich kann heute erstmal nur die Kernschlussfolgerung mitteilen, nämlich dass es keinen Zusammenhang zur Schließung der Gefäßchirurgie oder zur Umstrukturierung gab», sagte der Minister. Alles Weitere sei die Entscheidung des Trägers, der Stadt Potsdam, und des Krankenhauses. «Jeder Todesfall ist einer, der mit Schmerz, Trauer und noch viel mehr zu tun hat.» Das Klinikum Ernst von Bergmann (EVB) bietet seit August keine Orthopädie und Gefäßchirurgie an. Beides wurde vom St. Josefs-Krankenhaus und der Oberlinklinik in Potsdam übernommen. Das St. Josefs-Krankenhaus schloss wiederum Neurologie sowie Frauenheilkunde und Geburtshilfe, die das Bergmann-Klinikum übernahm. Als Grund der Schließungen gaben beide Kliniken die Krankenhausreform an, die eine Spezialisierung vorsieht. Nach der Verlegung der Gefäßchirurgie starb ein mutmaßlicher Gefäßpatient am EVB. Das Krankenhaus erklärte danach, dass der Behandlungsverlauf rekonstruiert und ein Zusammenhang zur Schließung der Gefäßchirurgie über ein externes Begutachtungsverfahren veranlasst worden sei. Die Aufsichtsratschefin, Potsdams Beigeordnete Brigitte Meier, sagte, die beauftragte Anwaltskanzlei setze die Untersuchung der Folgen der Schließung noch fort. Geschäftsführer Christian Unzicker, sagte: «Wir wissen, dass eine gutachterliche Klärung den Verlust eines Menschen nicht lindern kann.» Das EVB hatte nach der Verlegung der zwei Abteilungen eigene Fehler bei der Kommunikation eingeräumt. Die Stimmung im Ausschuss war teils angespannt. Gesundheitsminister Wilke rief die AfD-Landtagsabgeordnete Daniela Oeynhausen dazu auf, sich zu entschuldigen, weil sie einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Todesfall und der Umstrukturierung hergestellt hatte. Bei Instagram fragte sie Anfang September: «Forderte die Krankenhausreform schon ein Todesopfer?» Wilke forderte sie zu Konsequenzen auf. «Und dann freuen wir uns auf Ihr nächstes Video, in dem Sie sich entschuldigen für das, was sie in den letzten Wochen so an Behauptungen von sich gegeben haben - das wäre zumindest erwartbar und fair», sagte er im Ausschuss. Die AfD-Gesundheitspolitikerin warf der rot-schwarzen Landesregierung vor, sie hätte die Krankenhausreform der Bundesregierung verhindern müssen. «Aber eine SPD-Krähe hackt der anderen kein Auge aus», sagte Oeynhausen. Sie wies zugleich Kritik zurück. Die Ausschussvorsitzende Ellen Fährmann (CDU) störte sich an der Formulierung mit den Krähen. Die Krankenhausreform führt auch dazu, dass das Krankenhaus in Wittstock/Dosse im Landkreis Ostprignitz-Ruppin Anfang nächsten Jahres geschlossen wird. Nach bisherigen Plänen soll die Behandlung von Herz- und Kreislauferkrankungen und von Krankheiten des Magen-Darm-Trakts in die Klinik Pritzwalk (Prignitz) verlagert werden. Die Rettungswache soll bleiben und eine Poliklinik ist geplant. Der BSW-Abgeordnete Andreas Kutsche kritisierte, dass das Medizinische Versorgungszentrum erst bis 2030 öffnen solle. «Dazwischen klafft eine Versorgungslücke», sagte Kutsche. Das Ministerium wies Bedenken zurück. «Es wird hier lediglich ein Standort für Kardiologie und Gastroenterologie um gut 20 Kilometer verlagert», sagte der Abteilungsleiter Gesundheit, Michael Zaske. Es gebe bereits weitere ambulante Angebote, außerdem sei eine zweistellige Zahl an Arztsitzen mit Neurologie, Hausärzten, Urologen, Hals-Nasen-Ohren, Gynäkologie und Augen geplant. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenUmstrukturierung zweier Krankenhäuser
Wilke fordert Entschuldigung
AfD kritisiert Krankenhausreform
Bedenken wegen Schließung der Klinik in Wittstock