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Nico Santos: 18 Songs, zwei Seiten und ein Geschenk

Nico Santos: 18 Songs, zwei Seiten und ein Geschenk
Aktuell auch bei «The Voice of Germany» zu sehen: Nico Santos. (Archivbild) / Foto: Joerg Carstensen/dpa
18 Songs, zwei Platten und ein dritter geheimer Teil: Nico Santos hat sich für «POV» richtig ins Zeug gelegt. Zwei persönliche Songs stechen dabei heraus.

Nico Santos hat große Pophits für sich und andere geschrieben, Millionen Streams gesammelt und gehört zu den meistgespielten deutschen Künstlern im Radio. Auf seinem vierten Album «POV», das Freitag erscheint, zeigt er sich verletzlich und optimistisch zugleich.

Das Doppelalbum umfasst 18 Songs. Der Titel steht für «Personal», «Optimist» und einen dritten, noch geheimen Teil. Die Überraschung werden die Fans erst lesen, wenn sie das Album öffnen.

Zwei Seiten eines Menschen

«Personal» zeigt die ruhige, offene Seite - teilweise wird der Sänger nur von einer Akustikgitarre begleitet. Hier singt Santos über seinen Sohn, seine Familie und über Menschen, die ihn geprägt haben. Die zweite Seite, «Optimist», wird lauter, bunter und tanzbarer - mit Songs wie «Classic», «Why Don't You Stay» oder «Body» mit Topic und Fireboy DML.

Santos sagt selbst, dass er beim Schreiben merkte: Entweder wird das Album beliebig - oder es braucht zwei Seiten. «Die eine kannst du auflegen, wenn du einen entspannten Tag haben willst, und wenn du ein bisschen mehr abgehen willst im Wohnzimmer oder im Auto, dann packst du die andere Platte rein.»

Eine Zeitkapsel für seinen Sohn

«Dear Child» ist der emotionalste Einstieg. Die Ballade beginnt nicht im Studio, sondern mit einer echten Aufnahme aus dem Wohnzimmer - und mit seinem kleinen Kind.

Für Santos ist das Lied ein Geschenk an seinen Sohn - aber auch an alle Eltern, die ihrem Kind etwas fürs Leben mitgeben wollen. «Es ist anders als bei einem Liebessong. Da schreibst du entweder einen sehr guten oder nicht. So einen Song schreibst du bestenfalls nur einmal», sagt er ehrfürchtig.

Musik ist in seiner Familie offenbar ohnehin ein gemeinsames Erlebnis. Der zweijährige Sohn geht in eine spanische Kita, hört deutsche und spanische Kinderlieder - und singe trotzdem «Dear Child» irgendwie mit. «Er mimt das halt so nach, was er hört. Musik ist so universell, egal in welcher Sprache», sagt der stolze Vater. Und vielleicht wird «Dear Child» tatsächlich zur Zeitkapsel: «Wenn ich den in 18 Jahren vielleicht mit ihm höre, sagen wir: Krass, weißt du noch die Zeit damals?»

Vier Minuten Lebensgeschichte als Rap

Richtig persönlich wird es auch bei «Yours Nico». Vier Minuten, ein durchgehender Rap und eine Art chronologische Reise durch sein Leben: Familie, Freundschaften, Höhen, Tiefen - und alle Menschen, die ihn bis hierher begleitet haben.

Ursprünglich sollte der Song gar kein Rap sein. Angefangen hat Santos am Text vor sechs Jahren, damals als Gesangssong. «Da war ich noch kein Papa und kein Ehemann», erinnert er sich. «Die bewegendsten Sachen in meinem Leben sind dann in den letzten drei, vier Jahren passiert.» Erst vor einigen Monaten entschied er sich für den Rap, denn sonst wäre der Track «wahrscheinlich über zwölf Minuten lang» geworden.

Als Produzent hat Santos schon oft Melodien für Rapper wie Kontra K, Shindy, Sido oder Bushido geliefert. Jetzt dachte er: Das kann ich auch. Und der Song wurde zum Danke schön - an seine Eltern, seine Schwester und alle, die ihn geprägt haben.

In «Yours Nico» wagt sich der 33-Jährige, der aktuell auch wieder als Coach in der Musikshow «The Voice of Germany» mitmacht, endgültig aus seiner Komfortzone. «In diesem Song gibt's Passagen, über die ich sogar noch nie in einem Interview gesprochen hab, er erzählt etwa von einer sehr schwierigen Zeit, die meine Frau hatte in der Schwangerschaft.»

Es geht auch um den Verlust eines guten Freundes, den er schon 2020 in «Walk In Your Shoes» thematisierte, finanzielle Probleme seiner Eltern und schwere Zeiten in der Schule. «Also sehr, sehr viele Downs, aber dafür natürlich auch umso schönere Hochs, die ich dann einfach erleben durfte.»

Ein Kind Mallorcas mit deutschem Pass

Dass Familie und Herkunft bei Nico Santos eine so große Rolle spielen, ist kein Zufall. Geboren wurde er 1993 in Bremen als Nico Wellenbrink, Sohn des als «Melitta-Mann» aus der Werbung bekannten Egon Wellenbrink. Schon kurz nach seiner Geburt zog die Familie nach Mallorca, wo er aufwuchs und später seinen spanisch klingenden Künstlernamen Santos annahm. Zwischenzeitlich ging es wieder zurück nach Deutschland.

Musik war von Anfang an Teil seines Lebens. Sein Vater, selbst Musiker und mehrere Jahre mit Roy Black auf Tour, spielte ihm vor allem Jazzlieder vor, aber auch die Eagles oder Toto. Mit fünf stand Santos im Studio, mit sechs bekam er Klavierunterricht. Sein Durchbruch kam 2016 mit «Home», einem Hit mit Topic, der ihm den Weg zu Songs wie «Rooftop», «Safe» und «Unforgettable» ebnete.

Heute pendelt der Musiker mit Ehefrau Aileen und seinem Sohn zwischen Berlin und Mallorca - etwa fünf Monate im Jahr auf der Insel, sieben in Deutschland. Das passt zu einem Album, das so sehr von Zuhause, Ankunft und Familie erzählt.

Albumrelease? Erst mal Bühne!

Und was macht Nico Santos am Tag, an dem «POV» rauskommt? Ganz klar: Er feiert. Am Freitag spielt er abends eine Show in Berlin - mit seiner Familie von Mallorca, vielen Musikkolleginnen und -kollegen und einigen Special Guests. «Es wird, glaube ich, echt eine verrückte Show», sagt er.

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