Wegen stark gestiegener Energiepreise rechnet die Investitionsbank Berlin (IBB) im laufenden Jahr mit einem etwas geringeren Wirtschaftswachstum in der Hauptstadt als bisher gedacht. Die Volkswirte der Bank senkten ihre Wachstumserwartung von ursprünglich 1,8 Prozent auf 1,5 Prozent.
Damit würde die Berliner Wirtschaftsleistung etwas höher ausfallen als 2025 mit 1,1 Prozent und immer noch stärker wachsen als im Bundesdurchschnitt. Denn führende Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen damit, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2026 nur um 0,6 Prozent zulegen wird. Die Bundesregierung ist mit ihrer Prognose von 0,5 Prozent noch pessimistischer.
IBB fordert «kluge Investitionen»
«Berlins Wirtschaft hat in den vergangenen zehn Jahren eine bemerkenswerte Widerstandskraft bewiesen», erklärte der IBB-Vorstandsvorsitzende Hinrich Holm. «Aktuell belasten jedoch geopolitische Spannungen im Nahen Osten sowie die damit verbundene Unsicherheit bei den Energiepreisen die globale Stimmung und die hiesige Wirtschaft.»
Umso wichtiger sei es, in Berlin mit «klugen Investitionen» gegenzusteuern. Nach Einschätzung Holms sollten diese in den Wohnungsbau, die Digitalisierung und insbesondere in die klimaneutrale Transformation der Wirtschaft fließen. «Diese Transformation ist kein Selbstzweck», so der Experte. «Sie stärkt unsere Resilienz gegenüber Energiepreisschwankungen, indem sie die Abhängigkeit von fossilen Importen reduziert.»
Dienstleistungen und Bau als Motor
2025 hatte das Berliner Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent laut IBB zum 13. Mal in Folge über dem Bundesdurchschnitt gelegen. Ein Grund ist die Wirtschaftsstruktur in der Stadt, in der der Dienstleistungssektor stärker ausgeprägt ist als die Industrie. Die IBB als Förderbank des Landes rechnet damit, dass auch 2026 ein Umsatzrückgang in der Industrie durch Umsatzwachstum im Dienstleistungsbereich abgefedert wird. Weiterer Treiber für die wirtschaftliche Entwicklung bleibe das Baugewerbe.
Giffey sieht große Herausforderungen
«Berlin bleibt wirtschaftlich robuster als Deutschland insgesamt, vor allem dank unserer starken Dienstleistungsbranche und einer Trendwende bei der Bauwirtschaft», erklärte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). «Gleichzeitig nehmen externe Risiken zu, auf die wir keinen Einfluss haben.» Hohe Energiepreise, steigende Kraftstoffpreise und geopolitische Spannungen seien große Herausforderungen für die Hauptstadtwirtschaft.
«Wir sehen aber, dass wir als Land Berlin mit unseren Investitionen in Innovation, Internationalisierung, Wohnungsbau, Digitalisierung und die klimaneutrale Transformation auf dem richtigen Weg sind», meinte Giffey. Ziel seien ein stabiles Wirtschaftswachstum und mehr Resilienz, also mehr Widerstandskraft der Wirtschaft gegen negative Einflüsse.
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