Die Kälte regiert Berlin, die Temperaturen sind konstant unter null und viele Gehwege immer noch vereist. Ein Ende ist nicht in Sicht, in den nächsten Tagen bleibt der Frost. Die Verkehrssenatorin hat zwar Ende vergangener Woche bekanntgegeben, dass der Einsatz von Streusalz auf Gehwegen nun doch erlaubt sei. Aber die Welt in Berlin ist dadurch keine andere geworden.
Hinzu kommt: Wegen eines ganztägigen Warnstreiks fuhren Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen nicht. Viele Berlinerinnen und Berliner musste auf dem Weg zur Arbeit improvisieren oder blieben lieber zu Hause. Ein Glück, dass viele in den Winterferien bereits im Urlaub sind.
Die Stadtreinigung bietet angesichts der Eisglätte kostenlos Splitt an - für die Bezirke und auch für Privatpersonen. «Die Nachfrage ist groß», sagte BSR-Sprecherin Frauke Bank. «Viele Bürger sind ratlos, weil man im Baumarkt nichts mehr bekommt.» Abgeholt werden können haushaltsübliche Mengen Splitt von maximal zehn Litern, solange der Vorrat reicht.
Kostenloser Splitt ist begehrt
Wie lange das ist, lässt sich schwer einschätzen. Seit dem Morgen wird der Splitt nur noch an drei BSR-Betriebshöfen in Wilmersdorf, Friedrichshain und Neukölln ausgegeben. Zum Start der Ausgabe am Samstag waren es zehn.
Beim Betriebshof in der Mühlenstraße in Friedrichshain gab es am Vormittag regen Andrang. «Die Nebenstraßen bei uns sind voller Eis», sagte eine Frau aus Mahlsdorf (Marzahn-Hellersdorf), die das Angebot gut findet. «Wir hatten schon vorher gestreut, aber unser Splitt war alle. Und bei dem Glatteis legt man sich ganz schnell hin.»
Neue Zahlen dazu, wie viel Splitt insgesamt mittlerweile ausgegeben wurde, hat die BSR noch nicht. Am ersten Tag am Samstag waren es rund 20 Tonnen. Etwa zwei Drittel davon gingen an Privatpersonen, die damit selbst streuen wollen.
An den BSR-Recyclinghöfen wird dagegen kein Splitt ausgegeben. Sie seien die falsche Adresse. «Wir erleben aber, dass Berlinerinnen und Berliner dort vorstellig werden und gerne Splitt haben möchten», sagte Bank. Bei manchen von ihnen gebe es wenig Verständnis, wenn BSR-Mitarbeiter ihnen eine Absage erteilen müssten.
Wie reagiert die Politik?
Verkehrssenatorin Ute Bonde hat angekündigt, sich nach einem ersten Treffen am Freitag mit der BSR und den Bezirk weiter eng darüber abzustimmen, was gegen die Eisglätte zu tun ist. Das sei viel zu spät, warf der SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach ihr vor. «Berlin kämpft seit Wochen mit eisglatten Gehwegen», sagte er. Und erst jetzt rede Bonde von ersten Gesprächen und Auftaktrunden mit Bezirken und Stadtreinigung über die Eisbekämpfung.
In den vergangenen Wochen hätte längst geklärt sein müssen, ausreichend Streumittel und Tausalz zur Verfügung zu haben. «Und wenn nicht einmal die Bezirke hinterherkommen, dann sollten wir auch darüber sprechen, wie das System angepasst werden muss», sagte Krach. «Damit Berlin in solchen Situationen funktioniert und nicht zum Gespött der ganzen Republik wird.»
Es sieht nicht so aus, als würden sich die Probleme von selbst lösen, die Wetteraussichten versprechen keine schnelle Änderung für die Region: In der kommenden Nacht ist laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) strenger Frost bei Temperaturen bis zu -14 Grad zu erwarten.
Auch am Dienstag bleiben die Höchstwerte laut der Prognose im Minus, bei -8 bis -2 Grad. Gebietsweise rechnet der DWD in der darauffolgenden Nacht und am Mittwoch mit Schnee. Auch gefrierender Sprühregen sei nicht ausgeschlossen - Berlin bleibt weiß und kalt.
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