Für «Fitz» und «Kundu» endet eine lange Reise aus Frankfurt und Berlin in kenianischer Bergluft. Die beiden männlichen Bergbongos sind «tierische Auswanderer» für den Artenschutz und den Erhalt einer stark gefährdeten Tierart. Schätzungen gehen davon aus, dass nur noch rund 100 Tiere in der Wildnis leben. Hauptursachen für den drastischen Rückgang sind Wilderei, Lebensraumverlust durch Abholzung und landwirtschaftliche Nutzung sowie Krankheiten. Das neue Zuhause von Fitz und Kundu sowie zwei weiteren Bullen ist das Schutzgebiet Mount Kenya Wildlife Conservancy.
Zoos für den Artenschutz
Für die beteiligten Zoos ist die Ansiedlung der Bongos in Kenia ein Beispiel für die Rolle von Zuchtprogrammen für den Artenschutz und den Erhalt seltener Tierarten. «Zoologische Einrichtungen leisten seit Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Art, indem sie durch koordinierte Zuchtprogramme eine stabile Reservepopulation aufgebaut haben, die heute die Grundlage für Wiederansiedlungen wie in Kenia bildet», so der Berliner Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem.
Die Frankfurter Zoodirektorin Christina Geiger betonte: «Wir wollen mithelfen, den Bongos eine Chance zu geben. Daher unterstützen wir das Zucht- und Wiederansiedlungsprogramm in Kenia nicht nur mit unserem Fitz, sondern auch finanziell. Denn die Logistik hinter einem solchen Projekt ist aufwändig und teuer.»
Neuankömmlinge sind wichtig für genetische Vielfalt
In dem weiträumigen Schutzgebiet in Kenia wurde Anfang des Jahres das hundertste Tier geboren. Doch für genetische Vielfalt ist frisches Blut erforderlich - und dazu sollen Fitz und Kundu mit den beiden anderen Bongos aus europäischen Zoos beitragen. Die Tiere, die aus ihrem Zooleben an den Anblick von Menschen gewöhnt sind, nicht aber an Gefahren durch Raubtiere in den Bergwäldern Ostafrikas, werden ihr Leben im Schutzgebiet verbringen. Ihr Nachwuchs hingegen soll eines Tages ausgewildert werden und im Gebiet des Mount Kenya Nationalparks leben, hoffen die Projektmitarbeiter. Dort gibt es derzeit keine freilebenden Bongos. Langfristiges Ziel ist es, bis 2050 eine Population von mindestens 750 Tieren aufzubauen.
Die Bongos hatten ihre Heimatzoos bereits Ende Februar verlassen und wurden im tschechischen Safari Park Dvůr Králové auf ihre Reise vorbereitet. Insgesamt fünf Tiere wurden dort von Tierärzten untersucht, die vier aussichtsreichsten Kandidaten waren vor dem Abflug nach Kenia in Quarantäne.