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Deutsche Bongo-Antilopen als tierische Auswanderer in Kenia

Einer der tierischen Auswanderer erkundet sein neues Zuhause / Foto: -/KWS/Mount Kenya Wildlife Conservancy/dpa
Einer der tierischen Auswanderer erkundet sein neues Zuhause / Foto: -/KWS/Mount Kenya Wildlife Conservancy/dpa

Für vier Antilopenbullen endet eine lange Reise aus Europa in einem kenianischen Schutzgebiet. Die stark gefährdeten Bongos sollen dort für Nachwuchs sorgen.

Für «Fitz» und «Kundu» endet eine lange Reise aus Frankfurt und Berlin in kenianischer Bergluft. Die beiden männlichen Bergbongos sind «tierische Auswanderer» für den Artenschutz und den Erhalt einer stark gefährdeten Tierart. Schätzungen gehen davon aus, dass nur noch rund 100 Tiere in der Wildnis leben. Hauptursachen für den drastischen Rückgang sind Wilderei, Lebensraumverlust durch Abholzung und landwirtschaftliche Nutzung sowie Krankheiten. Das neue Zuhause von Fitz und Kundu sowie zwei weiteren Bullen ist das Schutzgebiet Mount Kenya Wildlife Conservancy. 

Ein Meilenstein für die Zukunft der seltenen Antilopen

Die Erwartungen an die Ansiedlung der Zoo-Bongos im Schutzgebiet sind entsprechend hoch. Das zeigte sich bereits bei der Ankunft am Flughafen Nairobi: Nicht nur Erustus Kanga, der Direktor der Naturschutzbehörde KWS war gekommen, um die sichere Ankunft der seltenen Tiere zu verfolgen. Sondern auch die für Naturschutz zuständige Ministerin Rebecca Miano sowie Außenminister Musalia Mudavadi, der bei der Ankunft der Tiere eine kenianische Fahne schwenkte, wie auf sozialen Medien zu sehen war.

Humphrey Kariuki, ein kenianischer Unternehmer und Schirmherr des Schutzgebiets, bezeichnet die Ankunft der Tiere als einen Meilenstein für das dortige Zucht- und Auswilderungsprogramm. Kanga hofft auch eine Stärkung der Bemühungen seines Landes im Naturschutz. Die Ansiedlung der Bongo-Bullen «verbessert unsere Fähigkeit, überlebensfähige und genetisch vielfältige Populationen des Bergbongos wieder aufzubauen».

Ministerin Miano betonte: «Jedes zurückgeführte Tier stärkt den nationalen Bongo-Wiederansiedlungsplan und unterstützt unsere Strategie zur Erholung bedrohter Arten.»

Zoos für den Artenschutz

Für die beteiligten Zoos ist die Ansiedlung der Bongos in Kenia ein Beispiel für die Rolle von Zuchtprogrammen für den Artenschutz und den Erhalt seltener Tierarten. «Zoologische Einrichtungen leisten seit Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Art, indem sie durch koordinierte Zuchtprogramme eine stabile Reservepopulation aufgebaut haben, die heute die Grundlage für Wiederansiedlungen wie in Kenia bildet», so der Berliner Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem.

Die Frankfurter Zoodirektorin Christina Geiger betonte: «Wir wollen mithelfen, den Bongos eine Chance zu geben. Daher unterstützen wir das Zucht- und Wiederansiedlungsprogramm in Kenia nicht nur mit unserem Fitz, sondern auch finanziell. Denn die Logistik hinter einem solchen Projekt ist aufwändig und teuer.»

Neuankömmlinge sind wichtig für genetische Vielfalt

In dem weiträumigen Schutzgebiet in Kenia wurde Anfang des Jahres das hundertste Tier geboren. Doch für genetische Vielfalt ist frisches Blut erforderlich - und dazu sollen Fitz und Kundu mit den beiden anderen Bongos aus europäischen Zoos beitragen. Die Tiere, die aus ihrem Zooleben an den Anblick von Menschen gewöhnt sind, nicht aber an Gefahren durch Raubtiere in den Bergwäldern Ostafrikas, werden ihr Leben im Schutzgebiet verbringen. Ihr Nachwuchs hingegen soll eines Tages ausgewildert werden und im Gebiet des Mount Kenya Nationalparks leben, hoffen die Projektmitarbeiter. Dort gibt es derzeit keine freilebenden Bongos. Langfristiges Ziel ist es, bis 2050 eine Population von mindestens 750 Tieren aufzubauen.

Die Bongos hatten ihre Heimatzoos bereits Ende Februar verlassen und wurden im tschechischen Safari Park Dvůr Králové auf ihre Reise vorbereitet. Insgesamt fünf Tiere wurden dort von Tierärzten untersucht, die vier aussichtsreichsten Kandidaten waren vor dem Abflug nach Kenia in Quarantäne.

Wochenlange Vorbereitungen

Im Schutzgebiet liefen seit Wochen die Vorbereitungen auf die Neuankömmlinge, die mit so viel Hoffnung für die Zukunft der scheuen Bergantilopen verbunden sind. Auf X-Posts des Schutzgebiets waren Mitarbeiter zu sehen, die Streu in den Boxen auslegten, in denen sich die Bongos bei Stress zurückziehen und ausruhen können. Auf anderen Bildern wurden Futterboxen und frisches Wasser bereitgestellt. 

Für die Bongos wird nach Angaben des tschechischen Safari Parks nicht alles neu sein: An Bord des Frachtflugzeuges, das die Tiere nach Kenia brachte, befanden sich auch mehr als eine halbe Tonne Futter und Nahrungsergänzungsmittel, die den Bongos bei der Eingewöhnung helfen sollen.

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