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Quo vadis Hertha?

Nach Meinung von Trainer Stefan Leitl gehört Hertha BSC in die Bundesliga.  / Foto: Carmen Jaspersen/dpa
Nach Meinung von Trainer Stefan Leitl gehört Hertha BSC in die Bundesliga. / Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Die durchwachsene Saison von Hertha endete mit einem Debakel. Nach der herben Abfuhr müssen die Berliner wichtige Baustellen zur neuen Spielzeit bearbeiten.

Die Verabschiedung der Hertha-Fans von ihrer Mannschaft fiel nach dem 1:6-Debakel bei Arminia Bielefeld dementsprechend aus. Mit Buh-Rufen, Pfiffen und «Leitl raus»-Sprüchen machten die Anhänger ihrem Ärger Luft. Denn angesichts der vor der Spielzeit verkündeten Ambitionen hätten die Gästefans eigentlich einen Bundesligisten in die Sommerpause schicken wollen. 

Doch anstatt wieder bei Bayern München oder Borussia Dortmund anzutreten, geht es in der kommenden Spielzeit an die Bremer Brücke von Aufsteiger VfL Osnabrück oder an die Brenz zu Absteiger 1. FC Heidenheim. Und auch für diese Gastspiele müssen die Berliner an vielen Stellschrauben drehen.

Welche Spieler verlassen Hertha?

Trainer Leitl sagte vor dem Abschluss, dass «das Gros der Mannschaft einen Vertrag» besitze. Mit Toni Leistner, John-Anthony Brooks, Diego Demme, Jeremy Dudziak und Tim Hoffmann wurde ein Quintett bereits verabschiedet. Stürmer Marten Winkler hat Wechselgedanken geäußert. Sturmkollege Dawid Kownackis Leihe endet, bei Michal Karbownik der Vertrag. 

Trotz der holprigen Spielzeit haben einige Spieler auf sich aufmerksam gemacht. Neben Torhüter Tjark Ernst könnten auch Topscorer Fabian Reese, Marton Dardai und vor allem Talent Kennet Eichhorn den Verein verlassen. Angesichts der klammen Kassen müssen die Berliner einen Transferüberschuss im zweistelligen Millionenbereich erzielen. Geschäftsführer Peter Görlich hatte zuletzt außerdem angekündigt, dass vier Plätze für Spieler aus der Akademie reserviert seien. 

Welche Spielertypen sind nötig?

Görlich hat einen Mentalitätsumschwung innerhalb des Teams gefordert: «Wir müssen rauskommen aus dem Hamsterrad. Jedes Mal, wenn es um etwas geht, verkacken wir.» Allerdings verlässt mit Leistner ein Profi die Mannschaft, der, wenn er gespielt hat, zumeist die Abwehr strukturierte. 

In dieser Saison konnte Hertha bis auf fünf Siege in Folge im Herbst vergangenen Jahres keine positiven Serien setzen – im Gegenteil: Den fünf Siegen folgten sechs sieglose Spiele. Und auch in den sechs Spielen zum Abschluss konnte die Mannschaft lediglich vier Punkte sammeln. 

Hertha fehlen auf dem Platz Typen, die mitreißen können und Typen, die sich mitreißen lassen. Leitl hatte zur Halbzeit in Bielefeld die stark ersatzgeschwächte Mannschaft darauf eingeschworen, dass Platz fünf noch möglich sei. «Dann kommen wir raus und haben nicht mehr die Energie», zeigte sich der 48-Jährige nach den sechs Gegentreffern im letzten Spielabschnitt der Saison enttäuscht, nachdem er im Vorfeld noch überzeugt war, «dass die Jungs sich anständig verabschieden wollen.»

Wie lange hält die Jobgarantie für Trainer und Sportdirektor?

Görlich hatte bereits im April Trainer Leitl und Sportdirektor Benjamin Weber eine Jobgarantie ausgesprochen. Beide sollen den Umbruch einleiten und in Richtung Erfolg führen. Die Transfer-Bilanz von Weber ist – auch angesichts der leeren Kassen – überschaubar. Ein Saisonstart wie in der nunmehr abgelaufenen Spielzeit mit zwei Remis und zwei Niederlagen könnte bereits frühzeitig Diskussionen auslösen.

Was machen die Fans?

Mit einem Durchschnitt von 48.291 Besuchern beendet Hertha die Zuschauer-Tabelle hinter Meister Schalke auf dem zweiten Platz. Trotz der immer noch sehr hohen Zustimmung sinkt die Zahl der Stadionbesucher kontinuierlich. Das Ziel Aufstieg mobilisierte sicher viele Berliner zum Besuch in der Traditionsstätte. Das klägliche Ende könnte viel abschrecken, auch wenn über den langen Sommer genügend Zeit zur Verdrängung bleibt.

Ambition und Realität

«Der Anspruch bei Hertha muss immer die Rückkehr in die Bundesliga sein», hatte Leitl vor dem Saisonabschluss bereits in die Ferne geschaut. Angesichts der enttäuschenden Spielzeit mit dem auf Aufstieg gezimmerten Kader und der von Görlich angekündigten Sparmaßnahmen kommt es besonders auf Weber und Leitl an, mit dem neuen Kader Feuer zu entfachen. Dass dieser Weg auch mit günstigen Spielern beschritten werden kann, haben in dieser Spielzeit unter anderem Schalke und Elversberg bewiesen.

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