Die Hohenzollerngruft im Berliner Dom öffnet nach jahrelangen Bauarbeiten an diesem Wochenende. Die Sanierung ist das größte Bauvorhaben am Berliner Dom seit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, wie Sprecherin Eva Hepper vor der Eröffnung sagte. «Das war außerordentlich herausfordernd in jeder Hinsicht.» Wichtiges zur Wiedereröffnung im Überblick.
Was gibt es in der Hohenzollerngruft zu sehen?
Die Gruft auf der Museumsinsel ist die zentrale Begräbnisstätte des früheren Kaiserhauses. Hier ruhen Angehörige des Hauses Hohenzollern, etwa der erste Preußenkönig Friedrich I. und seine Frau Sophie Charlotte. Mit 91 Särgen aus fünf Jahrhunderten zählt die Hohenzollerngruft nach Angaben des Doms zu einer der größten Grablegen Europas. Rund ein Drittel sind Kindersärge.
Die Grablege, erbaut 1905, ist erst seit 1999 für die Öffentlichkeit zugänglich. Wegen Kriegszerstörungen war sie aufgrund der massiven Schäden am Gebäude und an den Särgen vollständig geschlossen, erläuterte Dombaumeisterin Sonja Tubbesing.
Warum war die Gruft geschlossen?
Die rund 1.400 Quadratmeter große Gruft musste unter anderem umfassend saniert werden, weil steigende Besucherzahlen dem Klima zusetzten. Feuchtigkeit und Wärme machten den Särgen zu schaffen und Schimmelpilze bildeten sich. Bereits 2014 begann die Planung zur Umgestaltung der Gruft, im April 2020 wurde die Gruft dann für die Baurarbeiten geschlossen.
Was ist neu?
Neben einem neuen Rundgang und einer Klimaanlage gibt es nun zum Beispiel für die Barrierefreiheit einen Aufzug runter zur Gruft. Dort können sich Besucher zunächst in einem neu konzipierten Vermittlungsraum etwa über die Geschichte der Hohenzollern oder das Thema Kindersterblichkeit informieren. Außerdem steht dort ein großer runder Tisch mit einem interaktiven Modell der Gruft und Touchpads, über die Interessierte Informationen zu den einzelnen Särgen und den Menschen, die darin liegen, bekommen können. Im Anschluss können die Besucher zwischen den 91 Särgen frei bewegen. Diese wurden im Zuge der Arbeiten neu positioniert.
Danach kann der Rundgang fortgesetzt werden, etwa zur Kuppel des Doms. Bis ganz nach oben gibt es jedoch keinen Aufzug, das wäre laut Architektin Claudia Kruschel zu komplex geworden. Während der Bauarbeiten wurde demnach auch die Infrastruktur modernisiert, etwa mit neuen Schließfächern oder einem aktuellen Sicherheits- und Brandschutzsystem.
Was müssen Besucher wissen?
Nach mehr als zehn Jahren Planung und sechs Jahren Bauzeit wird die Gruft am Samstag bei einem Tag der offenen Tür erstmals wieder für Besucherinnen und Besuchern zugänglich sein. Von 10 bis 18 Uhr können Interessierte umsonst die neugestaltete Gruft besuchen. Zudem wird für die Gäste Erbsensuppe serviert - in Anlehnung an die Einweihung des Doms 1905, erzählte Domprediger Stefan Scholpp. Denn damals habe Kaiser Wilhelm II. im Lustgarten vor dem Dom eben jene Suppe servieren lassen. Am Sonntag findet zudem ein Festgottesdienst statt.
Mit der Wiedereröffnung steigen jedoch auch die Eintrittspreise. Von bislang 10 Euro steigt die Domerhaltungsgebühr auf 15 Euro, wie Scholpp sagte. Tickets können demnach sowohl online als auch vor Ort gekaut werden.
Wie viel hat das Vorhaben gekostet?
Die Baukosten liegen nach Angaben des Dompredigers bei rund 29,5 Millionen Euro - das sind etwa 12 Millionen Euro mehr als anfangs angenommen. Ursprünglich wurden die Kosten auf 17,3 Millionen geschätzt. Dazu trugen unter anderem der Beginn der Bauzeit während des ersten Corona-Lockdowns sowie die steigenden Bau- und Energiekosten im Zuge des Angriffskriegs auf die Ukraine und die Verlängerung der Bauzeit bei, wie es hieß.
Der Bund habe mehr als 10 Millionen Euro beigesteuert, das Land Berlin mehr als 9 Millionen Euro, so Scholpp. Der Eigenanteil des Berliner Doms zu dem Vorhaben beträgt demnach rund 9,3 Millionen Euro.
Wer waren die Hohenzollern?
Mehrere Jahrhunderte prägte das Adelsgeschlecht die deutsche Geschichte - als brandenburgische Kurfürsten, preußische Könige und deutsche
Kaiser. Die Hohenzollern stellte in Preußen seit dem 18. Jahrhundert die Monarchen und nach der Gründung des Deutschen Reichs 1871 die Kaiser. Als 1918 die Republik ausgerufen wurde, ging der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. ins Exil. In der Hohenzollerngruft jedoch wurde er nicht bestattet. Er starb in den Niederlanden, wo er auch beigesetzt wurde.
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