Wer sich neu in einem Land zurechtfinden muss, steht vor einem Berg an Fragen. Wie finde ich eine Wohnung? Wo kann ich Sprachkurse besuchen? Welche Rechte habe ich beim Arztbesuch oder beim Amt? In Bayreuth sollen Zugewanderte diese Antworten nicht mehr auf verstreuten Merkblättern, in Warteschlangen oder durch Zufall erhalten – sondern direkt auf dem Smartphone. Die Integreat-App macht es möglich. Was zunächst wie ein typisches Digitalprojekt klingt, ist in Wahrheit ein Beispiel dafür, wie moderne Integrationsarbeit aussehen kann: niederschwellig, mehrsprachig, datensensibel.
Kommunen im Schulterschluss
Die Idee hinter Integreat ist nicht auf Bayreuth beschränkt. Die App wurde von der Digitalfabrik „Tür an Tür“ gemeinsam mit mehreren Kommunen entwickelt und wird mittlerweile in über 70 Städten und Landkreisen deutschlandweit genutzt. Das Besondere: Jede Kommune kann ihre Inhalte individuell einpflegen – je nach lokalen Angeboten und Zuständigkeiten. So bleibt die App flexibel und gleichzeitig standardisiert genug, um in der Breite zu funktionieren.
Beim jüngsten Netzwerktreffen in Bayreuth kamen Vertreterinnen und Vertreter aus ganz Bayern zusammen: aus Augsburg, Regensburg, Landshut, Wunsiedel und vielen weiteren Orten. Sie tauschten sich über Erfolgsfaktoren, Herausforderungen und neue Ansätze aus. Dass Bayreuth Gastgeber war, zeigt: Die Stadt nimmt das Thema nicht nur ernst – sie will auch aktiv gestalten.
Integration braucht mehr als Symbolpolitik
Digitale Werkzeuge wie Integreat sind keine Wunderwaffe. Aber sie können ein wichtiger Teil einer ehrlichen, handlungsfähigen Integrationsstrategie sein. Wer denkt, Integration passiere von allein, unterschätzt die Komplexität. Sprache, rechtliche Rahmenbedingungen, kulturelle Orientierung, soziale Anbindung – das alles lässt sich nicht mit einer App lösen. Aber man kann Barrieren abbauen, Informationslücken schließen und Eigeninitiative fördern. Genau das macht Integreat.
Die Stadt Bayreuth setzt dabei auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Integrationsbeauftragten und zivilgesellschaftlichen Akteuren. Der Oberbürgermeister selbst betont die Wichtigkeit digitaler Teilhabe. Und die Verantwortlichen vor Ort wissen: Nur wenn die App aktuell, verständlich und vertrauenswürdig bleibt, erfüllt sie ihren Zweck.