Wenn große Fußballturniere wie EM oder WM eine Stadt in Ausnahmezustand versetzen, merkt man das fast sofort im Kassenbereich vor Ort. Hotels, Kneipen, Supermärkte, der kleine Kiosk an der Ecke, sie alle nehmen meist mehr ein, sobald die eigene Nationalelf im Land spielt. In Deutschland meldete OpenTable für die EM 2024 einen Anstieg der Restaurantreservierungen um etwa 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Public-Viewing-Veranstalter, Taxiunternehmen und Läden rund ums Stadion berichten oft von Rekordtagen. Das klingt gut, ist aber in der Regel zeitlich knapp gesteckt, denn nach dem letzten Pfiff rutscht das Geschäftsvolumen häufig wieder auf Normalmaß, manchmal abrupt. Was davon bleibt, ist unklarer als viele Werbebroschüren versprechen.
Beschäftigungseffekte und digitale Märkte wachsen
Wo mehr Gäste auftauchen, entstehen kurzfristig Jobs im Gastgewerbe, im Handel und im Tourismus, besonders sichtbar in Hotels, auf Fanmeilen und bei Sicherheitsdiensten. Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sprechen für mehrere zehntausend Saisonstellen zur EM 2024, überwiegend befristet und nicht selten in Teilzeit. Der digitale Bereich legt parallel zu, teils rasch. Besonders Anbieter rund ums online Fußball wetten registrieren nachweislich erhöhte Aktivitäten, wie die europäische Gambling Capital-Studie für 2024 bestätigt. Umsätze steigen während der Turnierwochen, befeuert durch mobiles Tippen. Die meisten dieser Ausschläge bleiben auf die Dauer des Events begrenzt.
Branchen profitieren in unterschiedlichem Maß
Das Gastgewerbe liegt beim Umsatz vorn, doch auch der Einzelhandel, Veranstalter und sogar Bauunternehmen greifen zeitweise größere Aufträge ab. Hotels melden nicht selten monatelange Vollauslastung, Flächen in Stadtnähe werden zu hohen Preisen vermarktet. Im Handel schnellen Verkäufe von Fanartikeln, Bier und Snacks rund um Stadien oder Fanzonen spürbar hoch. Selbst Bäckereien und Imbissstände sehen an Spieltagen Zuwächse von etwa 15 bis 25 Prozent. Maßnahmen in Stadionsanierungen sowie Verkehrsanbindungen beleben die lokale Bauwirtschaft vor allem in den Jahren vor dem Turnier; Beispiele in München oder Dortmund deuten das an. Danach kippt die Lage oft zügig zurück in den Normalmodus, bei Personal wie bei Umsätzen. Ein dauerhafter Hebel zeigt sich nur gelegentlich.