Weil sie gezielt homosexuelle Männer zusammengeschlagen und erniedrigt haben, sind mehrere junge Täter am Landgericht in Frankfurt (Oder) zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Die härteste Strafe sprach der Richter wegen schweren Raubes gegen einen 19-Jährigen aus, der nun eine Jugendstrafe von drei Jahren und acht Monaten absitzen soll.
Ein 20 Jahre alter Mittäter wurde zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Zwei andere Täter erhielten Bewährungsstrafen, einer eine Verwarnung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Die Angeklagten sind zwischen 20 und 16 Jahre alt. Sie hatten bei Dating-Apps Profile eingerichtet und mit den Profilen gezielt homosexuelle Männer angeschrieben, ihnen Interesse vorgetäuscht und sie dann an entlegene Orte gelockt. Dort hatten sie ihre Opfer teilweise heftig zusammengeschlagen, beraubt und erniedrigt. Sie hatten ihre Taten regelmäßig gefilmt. Vor dem Gericht räumten sie ihre Taten dann ein.
Richter: «Hier muss jetzt Schluss sein»
In seiner Urteilsbegründung appellierte der Richter an die jungen Täter. Zu dem 16-Jährigen auf der Anklagebank, der bei den Taten erst 15 Jahre alt war, sagte er: «Hier muss jetzt Schluss sein. Wenn jetzt noch etwas dazu kommt, werden wir davon ausgehen, dass sie sich nicht bewährt haben.»
Die Taten hätten teilweise ein erschreckendes Ausmaß erreicht. Das Gesicht eines Opfers sei «zertrümmert worden», führte der Richter aus. «Der wird nicht wieder. Da ist alles kaputtgegangen, was kaputtgehen konnte.» Selbst Freunde hätten den völlig entstellten Mann nach der Tat nicht mehr wiedererkannt.
Die Angeklagten hätten ihre Opfer verhöhnt, berichtete der Richter weiter. Einen Mann bezeichneten sie als «Schwuchtel» und zwangen ihn, vor ihnen zu tanzen. «Es wird nie in meinen Kopf gehen, warum man das auch aufnimmt», sagte der Richter. Der Prozess hatte wegen des jugendlichen Alters der Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden.
Eindringliche Worte des Richters
An die bereits polizeibekannten Täter richtete der Richter eindringliche Worte. Es müsse nun bei ihnen ein Umdenken geben, sonst stünde ihnen eine klassische Kriminellenkarriere bevor. «Meine inständige Hoffnung ist, dass es kein drittes Mal geben wird», sagte er zu dem 19-Jährigen, den er bereits aus vorherigen Anklagen kannte.
Auch die Motivation hinter den Taten sei völlig fehlgeleitet, betonte der Richter. «Es gibt Menschen, die der Auffassung sind, dass man dem Staat auf die Sprünge helfen muss.» Die Täter hätten gedacht, sie begingen mit den Taten «etwas Gutes» - letztlich seien es aber schwere Straftaten gewesen.
Vor dem Gerichtssaal war von der Wirkung der Strafen und der direkten Worte des Richters kaum etwas zu spüren. Einige der jungen Täter zeigten sich dort äußerlich unbeeindruckt vom Urteil. Freunde und Familie begrüßten sie überschwänglich, nachdem einige der Heranwachsenden für mehrere Wochen in Untersuchungshaft gesessen hatten.
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