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Influencer im Fokus der Finanzbehörden: Der Fall Ekina zeigt den Druck auf Creator

Unternehmerin, Musikerin, Content-Creatorin: Anike Ekina kämpft gegen Steuer-Vorwürfe / Bildrechte: Anike Ekina
Unternehmerin, Musikerin, Content-Creatorin: Anike Ekina kämpft gegen Steuer-Vorwürfe / Bildrechte: Anike Ekina

Razzia bei Anike Ekina: Warum Finanzbehörden Influencer mit automatisierten Datenanalysen prüfen – und wie internationale Steuern die Ermittlungen verzerrt.

Der Fall der BestFans-Creatorin Anike Ekina steht exemplarisch für eine neue Ermittlungspraxis deutscher Finanzbehörden gegenüber digitalen Geschäftsmodellen. Nach einer Durchsuchung durch die Task Force Social Media mit 20 bis 30 Einsatzkräften wurden sämtliche betriebsrelevanten Geräte und Zugänge beschlagnahmt. „Unsere komplette Arbeitsfähigkeit war von einem Moment auf den anderen weg", schildert Ekina die unmittelbaren Folgen. Ein Vermögensarrest über 154.000 Euro wurde verhängt, im Raum steht für 2021 und 2022 ein Vorwurf von rund 229.000 Euro. Ekina widerspricht grundsätzlich: „Die hier konstruierten Schlussfolgerungen entsprechen nicht der tatsächlichen wirtschaftlichen Realität."

Automatisierte Auswertung öffentlicher Daten

Die Ermittlungen stützen sich nach Darstellung der Betroffenen auf automatisierte Analysen öffentlich verfügbarer Inhalte – Social-Media-Posts, Interviews, Podcast-Aussagen. Eine Passage spielt dabei eine zentrale Rolle: „Ich wurde gefragt, was ich im Monat verdiene – und habe sechsstellig gesagt. Ich habe in dem Moment nicht darüber nachgedacht, weil ich intern immer in Jahresumsätzen rechne. Das war keine Absicht, sondern ungenau formuliert." Die methodische Kritik der Betroffenen: „Es wird ein Bruchteil betrachtet – und daraus ein Gesamtvorwurf gebaut."

Internationale Steuerflüsse als blinder Fleck

Ein branchenspezifischer Aspekt betrifft die umsatzsteuerliche Behandlung plattformvermittelter Einnahmen. „Bei Einnahmen aus Großbritannien über Plattformen wird die Umsatzsteuer bereits durch den Betreiber in die jeweiligen Länder abgeführt, in denen sie entsteht. Deshalb werden diese Beträge netto nach Deutschland ausgezahlt", erläutert Ekina. Eine rein nationale Gegenüberstellung von Plattformeinnahmen und deutscher Steuererklärung verzerrt daher das Bild erheblich. Ihr genereller Einwand zur Ermittlungslogik: „Es werden nur die Einnahmen gesehen – aber die komplette Struktur dahinter ignoriert."

Bundesweiter Kontext

Die Behörden haben das Segment flächendeckend ins Visier genommen. Allein in Nordrhein-Westfalen wird ein mögliches Steuerschadenvolumen von rund 300 Millionen Euro diskutiert, bundesweit sollen rund 1.200 Ermittlungsbeamte mit Verfahren gegen Creator befasst sein. Besonders aufschlussreich ist eine Episode, die Ekina während des Einsatzes erlebt haben will: „Wir haben gefragt, warum man nicht gegen offensichtliche Problemfälle vorgeht, die jeder kennt." Die Antwort: „An die kommt man nicht so leicht ran wie an Sie." Ihre Schlussfolgerung: „Dann nimmt man die, die sichtbar sind. Die, die hier sind. Die, die erreichbar sind."

Strukturelle Belastung der Branche

Ekina verweist auf einen Nebeneffekt: Die administrative Komplexität für kleine, familiengeführte Creator-Unternehmen sei enorm gestiegen. „Die Bürokratie in Deutschland ist mittlerweile so extrem, dass du kaum noch hinterherkommst." Schon jetzt binde ihr Betrieb zwei Mitarbeiter ausschließlich im Verwaltungsbereich. „Und selbst das reicht nicht aus." Hinzu komme ein wirtschaftlich schwieriges Umfeld: „2024 war schon schwierig – aber 2025 hat uns wirtschaftlich richtig zugesetzt." Und: „Die Kosten, die der Staat verursacht, die Auflagen, die Bürokratie – das nimmt kein Ende."

Ausblick

Ekina kündigt vollständige Transparenz an und wird von einer auf Steuerstrafrecht spezialisierten Anwältin vertreten. „Wir klären das transparent. Mit Zahlen, nicht mit Annahmen", betont sie. „Ich habe nichts davon, etwas zu verschleiern. Aber ich habe ein Problem damit, wenn Dinge falsch dargestellt werden." Unabhängig vom Ausgang ihres Einzelfalls dürfte der Vorgang als Referenzfall dafür dienen, wie sich Creator-Unternehmen künftig dokumentieren und kommunikativ aufstellen müssen – insbesondere hinsichtlich öffentlicher Aussagen zu Einnahmen.