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Genossenschaften dämpfen Mieten in Berlin – durch Baukosten und Flächenmangel bedroht

Wohnungsbaugenossenschaften in Berlin haben große Mühe, neuen Wohnraum zu schaffen. (Archivbild) / Foto: Michael Brandt/dpa
Wohnungsbaugenossenschaften in Berlin haben große Mühe, neuen Wohnraum zu schaffen. (Archivbild) / Foto: Michael Brandt/dpa

BBU: Berliner Genossenschaften stellten 2025 nur 178 Wohnungen fertig – 60 % weniger als 2024. Gründe: gestiegene Baukosten und fehlende Grundstücke.

Die stetig steigenden Mietpreise und der Wohnungsnotstand sind ein Berliner Dauerthema. Einer aktuellen Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes zufolge haben sich die Angebotsmieten in der Hauptstadt in den vergangenen zehn Jahren im Mittel um rund 75 Prozent auf 15,80 Euro pro Quadratmeter nettokalt erhöht. Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) geht für das vergangene Jahr sogar von durchschnittlichen Angebotsmieten in Höhe von 18,76 Euro pro Quadratmeter aus. 

Genossenschaften deutlich günstiger

Wer hingegen in einer der mehr als 190.000 Genossenschaftswohnungen lebt, die es in Berlin gibt, blieb von dieser Entwicklung bisher verschont. Die durchschnittlichen Bestandsmieten bei Genossenschaften lagen dem BBU zufolge im vergangenen Jahr mit durchschnittlich 6,29 Euro pro Quadratmeter rund 18,4 Prozent unter dem Niveau des Berliner Mietspiegels. Bei Neuvermietungen ist die Differenz zu den Angebotsmieten noch viel größer. 

Doch auch die Genossenschaften haben mit gestiegenen Baukosten, hohen Zinsen und Flächenknappheit zu kämpfen. Vertreter der Branche sehen deshalb die Bedeutung der Gesellschaften für den Berliner Mietmarkt bedroht - und haben sich mit einem Positionspapier an die Berliner Landespolitik gewendet. Bei einer Genossenschaftstour durch den Osten der Hauptstadt übergaben sie das Dokument an den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner, Finanzsenator Stefan Evers (beide CDU) und Bausenator Christian Gaebler (SPD). 

Mehr als jede zehnte Mietwohnung gehört einer Genossenschaft

Rund 200 Genossenschaften gibt es in der Hauptstadt. Sie verwalten knapp elf Prozent des Berliner Mietwohnungsbestands. Insbesondere in den Ostbezirken der Stadt sind sie stark vertreten. In Marzahn-Hellersdorf gehört mehr als jede vierte Mietwohnung einer Genossenschaft. In den westlichen Bezirken liegt ihr Anteil meist deutlich unter zehn Prozent. 

«Das hat auch historische Gründe», sagt BBU-Vorständin Maren Kern. Genossenschaften waren in der DDR ein wichtiges Aushängeschild und Instrument der Wohnungspolitik. Gleichwohl sind viele Berliner Genossenschaften deutlich älter. Die Charlottenburger Wohnungsbaugenossenschaft etwa gibt es bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Viele andere blicken ebenfalls auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurück.

Ihr Anspruch ist neben der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum auch die soziale Mitgestaltung von Stadtquartieren und Kiezen. «Sie stärken den Zusammenhalt und die Kommunikation der Menschen mit ihrem Wohnumfeld», sagt Henrike Hanke, Vorständin der Wohnungsbau-Genossenschaft «Treptow Nord».

Viele nehmen keine neuen Mitglieder mehr auf

Doch schon länger kann das Angebot an Genossenschaftswohnungen mit der Nachfrage nicht mehr Schritt halten. Der Leerstand in diesem Segment verharrte dem BBU zufolge Ende 2025 mit rund 0,9 Prozent deutlich unter dem Niveau der übrigen BBU-Mitgliedsunternehmen, zu denen noch landeseigene, kirchliche und private Wohnungsanbieter gehören. «Viele Wohnungsgenossenschaften können deshalb schon heute keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen», sagte Vorständin Kern. 

Das liegt auch daran, dass die Zahl der neu gebauten Genossenschaftswohnungen zuletzt stark rückläufig war. «Mit nur noch 178 fertiggestellten Wohnungen fiel die Zahl der Fertigstellungen 2025 auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren», heißt es vom BBU. Das seien 60 Prozent weniger Neubauten als im Vorjahr. «Seit dem bisherigen Höchststand von 840 Fertigstellungen im Jahr 2018 ist die Zahl sogar um fast 80 Prozent eingebrochen.» 

Es mangelt an Baugrund

Um den Anteil von derzeit rund elf Prozent am Berliner Mietwohungsmarkt dauerhaft zu halten, müssten es aber jährlich mehrere Tausend neuer Wohnungen sein, heißt es in dem Positionspapier der Branche. Für das laufende Jahr rechnet der Verband hingegen mit lediglich etwa 160 Fertigstellungen - einem weiteren Rückgang von mehr als zehn Prozent im Vorjahresvergleich. 

Die Gründe seien vielfältig. Neben dem Dauerthema der gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten gehen den Genossenschaften den Angaben zufolge zudem die Baugrundstücke aus. Viele Vereine hätten in den 90er und 2000er Jahren viel Baugrund für die spätere Entwicklung kaufen können, sagt Dirk Enzesberger, kaufmännischer Vorstand der Charlottenburger Baugenossenschaft. Doch diese Reserven seien inzwischen ausgeschöpft.

In dem Positionspapier fordern die Vereine deshalb die Möglichkeit, Landesflächen etwa über Mietkaufmodelle zu erstehen. Die Stadt könnte demnach mit einem Wiederkaufsrecht sicherstellen, dass die Flächen nicht weiterverkauft werden. Außerdem brauche es mehr Fördermittel für Genossenschaften, um Bestandswohnungen aufzukaufen. 

Politik zeigt sich verständnisvoll

Trotz des Flächenmangels werden nach wie vor neue Genossenschaften gegründet. Dazu gehört etwa die Genossenschaft selbstverwalteter Projekte (GSP), die es seit 2021 gibt. Derzeit baut sie knapp 200 neue Wohnungen in Holzmodulbauweise in Berlin-Lichtenberg. Die Fläche gehörte einst dem Bund. Gut die Hälfte sind Sozialwohnungen, der Rest wird frei vermietet, zu etwa 14 Euro pro Quadratmeter, wie Vorstand Andreas Bräuer schildert. Müssten die Kredite für das Projekt zu heutigen Zinsbedingungen aufgenommen werden, läge der Quadratmeterpreis ihm zufolge eher bei 20 Euro. 

Die Politik gibt sich verständnisvoll mit Blick auf die Sorgen der Genossenschaften. «Wir haben in Berlin die Chance, durch unsere Genossenschaften Berlin noch besser zu machen», betonte Wegner auf der Projekttour und versprach, sich vor allem die Genehmigungsverfahren anzuschauen.

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