Taten wie der Angriff auf Passanten am Rande des Christopher Street Days in Berlin lassen sich nach Einschätzung von Experten praktisch nicht verhindern. «Ich glaube, dass ein Staat oder auch die Europäische Union, eine Staatengemeinschaft, sehr viele Maßnahmen ergreifen kann, damit die Menschen in Deutschland sicher sind», sagte der Terrorismusexperte der Konrad-Adenauer-Stiftung, Felix Neumann, der Deutschen Presse-Agentur. Eine hundertprozentige Sicherheit sei aber nicht möglich. «Es wird immer Menschen geben, die aus was für einem Motiv auch immer zur Gewalt greifen und dann irgendwelche Lücken finden.»
Die Behörden fahnden nach dem Angriff vom späten Samstagabend nach dem 21-jährigen Abdul B., der mehr als ein Dutzend Menschen mit einem Van angefahren haben soll. Eine Frau wurde so schwer verletzt, dass sie starb. Der Verdächtige sei polizeibekannt und werde der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet, erklärte ein Polizeisprecher.
Radikalisierung in der Bubble
Neumann sagte, Radikalisierung finde zunehmend über das Internet statt. «Grundsätzlich würde ich sagen, sehen wir vor allem beim Islamismus als auch beim Rechtsextremismus, dass die digitale Komponente immer weiter zugenommen hat», sagte der KAS-Experte. Eine wichtige Rolle spielten die sozialen Netzwerke. Junge Leute sähen immer dieselben Inhalte und seien in ihrer von Algorithmen beeinflussten Bubble.
«Die offene Frage, und das wird sich dann mit den Ermittlungen zeigen, ist, ob es dann einen Kontakt zu einer islamistischen Organisation gegeben hat», sagte Neumann. Auch solche Kontakte würden über soziale Medien hergestellt. «Dann würden eben auch entsprechende Anleitungen übermittelt werden, wie man effizient einen Anschlag durchführen kann, wie man dann vielleicht, wie man jetzt ja auch gesehen hat, vom Tatort fliehen kann, ohne dass man sofort geschnappt wird.»
Prävention kann helfen
Der Erfolg von Beratung und Präventionsangeboten, um junge Leute von Radikalisierung abzubringen, sei sehr schwer messbar, sagte Neumann weiter. Dennoch sei Prävention wichtig. «Es muss so ein Zusammenspiel geben zwischen Polizei und Nachrichtendiensten auf der einen Seite und dann natürlich der Prävention auf der anderen Seite», sagte er. «Wenn das ein gutes Zusammenspiel ist, da gibt es sehr viele gute Beispiele, wo eben Personen, die stark radikalisiert waren, auch wieder den Ausweg gefunden haben.»
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