Mit dem «Guardiola des Volleyballs» will der deutsche Volleyball-Meister auch in Europa ein höheres Level erklimmen. Der international erfahrene Andrea Anastasi soll den Rekordmeister nach einem turbulenten Jahr mit drei Cheftrainern in den kommenden zwei Jahren dem Projekt Volleys einen neuen Anschub gehen. «Er ist der Guardiola des weltweiten Volleyballs, einer der erfahrensten Trainer, den die Welt erlebt hat», sagte Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand bei der Vorstellung des 65-jährigen Italieners.
Der Trainer selbst, der in der Champions League schon häufiger die «begeisternde Stimmung in der Max-Schmeling-Halle» genießen durfte, war nach Gesprächen mit Niroomand von seinem neuen Job nach einjähriger Auszeit überzeugt. «Ich kann hier einen guten Job machen», sagte der Lombarde, der als Nationalspieler Welt- und Europameister wurde und vor allem als Trainer große Erfolge vorweisen kann.
Mit Italien gewann er 2000 in Sydney Olympia-Bronze. Dreimal wurde er Europameister, einmal davon mit Spanien. Als polnischer Nationalcoach holte er 2011 WM-Silber. Zuletzt trainierte der frühere Zuspieler in seiner Heimat die Clubs aus Perugia und Piacenza (2023-2025).
Verpflichtung Ergebnis jahrelanger Zuverlässigkeit
Für Niroomand ist der Verpflichtung des international erfolgreichen Anastasi auch ein Zeichen der Arbeit der vergangenen Jahre. «Die Zuverlässigkeit schafft Vertrauen bei denjenigen, die sich sonst nur in den oberen Etagen des Weltvolleyballs verdingen», sagte Niroomand, der nach der turbulenten Saison mit drei Cheftrainern den Neubeginn mit einem großen Umbruch in vielen Bereichen eingeläutet hat.
Im Pokal und der Champions League verpasste das Team die Saisonziele. Trainer Joel Banks musste im Januar gehen. Seine Nachfolger und vorherigen Assistenten Alexandre Leal, der in den Playoffs aus familiären Gründen ausschied, und Markus Steuerwald führten die Mannschaft am Ende aber zur zehnten Meisterschaft in Serie.
Leal, der noch einen Vertrag besaß, wird nicht wieder nach Berlin zurückkehren. «Wir haben uns einvernehmlich geeinigt», sagte Niroomand. Anastasi wird einen eigenen Co-Trainer mitbringen, der derzeit aber selbst noch woanders beschäftigt ist. Steuerwald trainiert in der kommenden Saison die Helios Volleys Giesen.
Niroomand ruft Neubeginn aus
Auch im Kader gibt es bei den Berlinern einen Umbruch. Unter anderem verlassen Star-Diagonalangreifer Jake Hanes, Publikumsliebling Nehemiah Mote und Nationalspieler Moritz Reichert den Club. Vom Liga-Konkurrenten VfB Friedrichshafen kommt der Mittelblocker Louis Kunstmann nach Berlin. Libero Erik Shoji, der bereits von 2014 bis 2016 für den Rekordmeister spielte, kehrt zurück.
«Wir hatten viel Unruhe letztes Jahr. Wir haben die Konsequenzen gezogen, und große Teile ausgetauscht. Wir wollen den Neubeginn. Da wollten wir einen, der große Erfahrung hat, der Autorität hat, er hat alles schon erlebt», sagte Niroomand, «er soll unserem Projekt einen neuen Anstoß geben. Da wollte ich die Nummer eins auf dem Markt nach Berlin holen.»
Nur wenig Vorbereitungszeit
Viel Zeit hat Anastasi auch wegen der anstehenden Europameisterschaft vom 9. bis zum 26. September nicht. Die neue Spielzeit beginnt im Oktober. Ein wenig Welpenschutz gewährt Niroomand deshalb dem neuen Coach, auch wenn laut dem Geschäftsführer viele «erfahrene Spieler neu hinzukommen» werden: «Wir sind vielleicht nicht am ersten Spieltag da, aber wir hoffen, dass sie in den wichtigen Phasen dann da sind. Das Risiko ist eingeplant.»
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