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Potsdam: Karl-Liebknecht-Stadion wird 50 – Ort der Fußballtradition

Das Stadion wurde im Laufe der vergangenen Jahre kontinuierlich modernisiert. (Archivbild) / Foto: picture alliance / Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/ZB
Das Stadion wurde im Laufe der vergangenen Jahre kontinuierlich modernisiert. (Archivbild) / Foto: picture alliance / Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/ZB

Länderspiele, Champions League, Bundesliga, DFB-Pokal und American Football: Das im Babelsberger Kiez beheimatete Karl-Liebknecht-Stadion bietet sportliche Vielfalt und zudem etwas ganz Einzigartiges.

Drei Wochen vor dem größten Erfolg der DDR-Fußballer mit dem Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal legte die Mannschaft von Trainer Georg Buschner in Babelsberg die Basis für eine weitere Erfolgsgeschichte. Der 5:0-Erfolg von Dixie Dörner und Co. über die BSG Motor Babelsberg am 10. Juli 1976 war zugleich die Einweihung des Karl-Liebknecht-Stadions, das am Samstag feierlich seinen 50. Jahrestag begehen wird.

«Das Karl-Liebknecht-Stadion ist eine der traditionsreichsten und bekanntesten Fußballstätten in Brandenburg. Vielleicht, weil es einem Fan-Traum entsprungen sein könnte», sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke der Deutschen Presse-Agentur, «Anhänger sitzen oder stehen quasi direkt am Spielfeldrand, kriegen alles mit, es ist eng, die Atmosphäre oft hitzig und die Bratwurst lecker.»

Auch Potsdams parteilose Oberbürgermeisterin Noosha Aubel schwärmt von der Tradition. «Wo einst DDR-Oberliga-Spiele, Länderspiele und Pokalfights stattfanden, sowie gestern und heute Spitzenfußball der Frauen und Männer begeistert, sind unzählige Erinnerungen entstanden», sagte die 50-Jährige der dpa, «das Karli ist weit mehr als ein Stadion - es ist ein Ort der Leidenschaft, des Miteinanders und der Identifikation mit unserer Stadt mitten im Kiez.»

Durch Puppenstube zum Stadion

Den Kiez spürt der Besucher vom Bahnhof Babelsberg aus kommend sehr eindrücklich. Durch eine malerische Straße mit kleinen Häusern und Geschäften ähnlich einer Puppenstube geht es zum KarLi, auf dessen Areal schon ein halbes Jahrhundert vor Baubeginn Fußballspiele in der damals noch Nowawes genannten Stadt ausgetragen wurden, ehe die Nationalsozialisten mit der Eingliederung von Babelsberg in die Stadt Potsdam den Namen der von Arbeitern geprägten Stadt tilgten.

Den Fußball konnten weder Nazis noch der Zweite Weltkrieg stoppen, ab 1949 wurde auf dem Karl-Liebknecht-Sportplatz wieder gespielt. Anfang der 70er Jahre wuchsen Stadionpläne, ab 1974 wurde gebaut. Unter Mithilfe sowjetischer Militärfahrzeuge sowie diverser Feierabendbrigaden entstand innerhalb von zwei Jahren die neue Arena - zum Ärger der Leichtathleten ohne Laufbahn.

Stadionbau mit Mauerteilen

«Die Sowjetarmee hat damals dabei geholfen, die Bäume zu beseitigen», sagte der Potsdamer Historiker Klaus Gallinat der «Märkischen Allgemeinen Zeitung». «Das Material für die Mauer zur Grenzstraße war tatsächlich laut dem Architekten und Planer aus Mauerteilen für die Grenze 'abgezweigt' worden.»

Bis zu 15.000 Zuschauer konnten die Spiele verfolgen, jedoch nur beim WM-Qualifikationsspiel 1977 gegen Malta war jeder Platz besetzt. Die Besucher wurden belohnt, das 9:0 war der höchste Länderspielerfolg der DDR-Geschichte. Elf weitere Länderspiele folgten in Babelsberg. 

Einzigartige Konstruktion

Im Alltag war Motor Babelsberg im KarLi beheimatet und pendelte zwischen der zweiten und dritten Liga. Mit dem Aufstieg in die zweite Liga des nach der Wende von Motor in SV Babelsberg 03 umbenannten Vereins legten auch wieder Bauarbeiter die Hand ans Stadion. Dabei wurden auch die in Europa einzigartigen klappbaren Flutlichtmasten aufgestellt. 

Die 38 Meter hohen Masten geben dank eines Knickgelenks in Höhe von etwa 23 Metern den Blick zwischen Flatow-Turm und Jagdschloss Stern frei. «Echt Potsdam eben», sagt Aubel über die in europäischen Stadien einzigartige Konstruktion.

Erfolgreiche Turbinen

Neben den unterklassig spielenden Babelsbergern sorgten vor einigen Jahren vor allem die Frauen vom sechsmaligen gesamtdeutschen Meister Turbine Potsdam für Sternstunden. 2005 gewann die Mannschaft von Trainerlegende Bernd Schröder den Uefa Womens Cup, fünf Jahre später die Champions League. «Der Glanz früherer Tage ist vielleicht ein wenig verblasst, aber was macht das schon? Die Fans lieben ihr "Karli" - wie das Wohnzimmer zuhause», hat das Stadion seinen Charme für den Landesvater nicht verloren.

Das Stadion selbst wird im Laufe der Jahre immer weiter erneuert und bietet aktuell Platz für 10.000 Gäste. «Das Karli steht aber vor allem für emotionale sportliche Momente im Fußball der Frauen und Männer sowie für das unermüdliche Engagement der vielen Ehrenamtlichen, ohne die Vereinsleben nicht denkbar wäre», sagt Aubel, die selbst häufiger im Familienblock steht und «die besondere Atmosphäre auf den Rängen, die Nähe zum Spielfeld und die Begeisterung der Zuschauerinnen und Zuschauer» spürt, die «den Ort einzigartig» machen.

St. Pauli statt DDR-Nationalmannschaft

Die Einzigartigkeit wird auch Brandenburgs Sportminister Gordon Hoffmann am Samstag bei dem offiziellen Festakt zum 50. Geburtstag spüren. Regionalligist SV Babelsberg 03 begeht zugleich die Saisoneröffnung und hat ab 15.30 Uhr den FC St. Pauli zu Gast, der gegen die unterklassigen Gastgeber womöglich ähnlich auftreten wird wie vor 50 Jahren die DDR-Nationalmannschaft gegen Motor Babelsberg.

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