Die Silvesternacht in Berlin ist nach einer ersten Einschätzung der Polizei nicht ganz so problematisch verlaufen wie in den vergangenen Jahren. «Wir haben keine so schweren Verletzungen bei Kollegen und auch nicht bei feiernden Menschen wie im vergangenen Jahr. Und wir haben auch nicht so schwere Vorkommnisse und Sachbeschädigungen», sagte Polizeisprecher Florian Nath der dpa in einer ersten vorläufigen Bilanz gegen 3.00 Uhr.
Allerdings sei die Polizei immer wieder mit Böllern und Raketen angegriffen worden. 21 Polizisten seien durch Knalltraumata nach dem Beschuss mit Böllern oder Gegenwehr von Verdächtigen leicht verletzt worden.
Die Freiluftpartys am Brandenburger Tor und an der Siegessäule verliefen nach Angaben der Polizei ohne Probleme. Tausende Menschen besuchten die offizielle Silvesterparty am Brandenburger Tor und bewunderten um 0.00 Uhr das große Feuerwerk. Einige hundert Meter entfernt fand auf der Straße des 17. Juni eine weitere Open-Air-Party mit mehreren Bühnen statt. Angemeldet war sie als Demonstration. Dort waren aber laut Polizei nur mehrere hundert Teilnehmer statt der angemeldeten 16.000.
Mehr als 300 Festnahmen
Die Polizei nahm mehr als 400 Verdächtige kurzzeitig fest. Die Festnahmen standen im Zusammenhang mit gefährlicher Böllerei und des Abschießens von Raketen. 14 Verdächtige seien von der Polizei in sogenannten Unterbindungsgewahrsam genommen worden, um zu verhindern, dass sie weitere Delikte begehen. Für 7 mutmaßliche Täter beantragte die Polizei einen Haftbefehl, zum Teil wegen gefährlicher Körperverletzung.
Auch am Abend und in der Nacht sei noch kiloweise illegale Pyrotechnik beschlagnahmt worden, sagte Nath. Insgesamt hatte die Polizei 220.000 Stück illegale, falsch gelagerte oder unzulässig verkaufte Pyrotechnik sichergestellt, wie Innensenatorin Iris Spranger (SPD) bei einem Besuch in einem Polizeiabschnitt sagte. Ein großer Teil davon gehöre zur Kategorie F4, die nur von Experten mit Ausbildung und Genehmigung verwendet werden dürfe und für Amateure sehr gefährlich sei.
25 Patienten mit schweren Verletzungen - darunter 8 Kinder
Das Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn meldete 25 Patienten «mit zum Teil schweren Handverletzungen mit Teil- oder kompletten Amputationen von Fingern oder Teilen der Hand». Auch Verbrennungen, Gesichts- und Augenverletzungen seien darunter. «Besonders schlimm ist aber, dass wieder acht Kinder dabei sind, deren Leben sich durch diese schweren Verletzungen für immer verändert hat.»
Man rechne damit, dass die Zahlen noch steigen würden. «Denn viele müssen erst mal den Rausch ausschlafen, bevor ihnen das Ausmaß ihrer Verletzungen so richtig zu Bewusstsein kommt.»
Böllerverbot am Alexanderplatz erfolgreich
Die Polizei zeigte sich mit ihrer Taktik weitgehend zufrieden. Man habe zum Teil erfolgreich gegen die Dynamik von kriminellen Tätern, die sich in der Deckung friedlich feiernder Menschen bewegten, gearbeitet. Gerade am Alexanderplatz habe das Konzept einer großen Böllerverbotszone gut gegriffen. «Ich habe den Alex noch nie so friedlich gesehen an Silvester wie in diesem Jahr», sagte Nath.
Der Alexanderplatz, wo es an Silvester der vergangenen Jahre heftige Ausschreitungen mit Feuerwerk gegeben hatte, gehörte zu den Pyro-Verbotsbereichen, genauso wie der Steinmetzkiez in Schöneberg, ein Teil der Sonnenallee in Neukölln sowie angrenzende Nebenstraßen und die Admiralbrücke und angrenzende Straßen in Kreuzberg. Die Bereiche werden laut Polizei gezielt mit Lichtmasten ausgeleuchtet.
Auch in diesem Jahr explodierte laut Polizei mindestens eine Kugelbombe, dieses Mal in Spandau. Ein Mensch sei leicht verletzt worden. Noch vor Silvester wurden mehrere Kugelbomben sichergestellt, unter anderem aus einem Carsharing-Auto, aus dem die illegalen Sprengkörper verkauft wurden.
4.300 Polizisten - Wegner: Nacht der Repression
Insgesamt waren 4.300 Polizisten im Einsatz. Dazu kamen 1.600 Feuerwehrleute. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bekräftigte wie schon in einem früheren Jahr: «Heute ist auch die Nacht der Repression, in der wir deutlich machen, dass jeder friedlich feiern kann, jeder kann lustig sein, jeder kann tanzen, jeder kann Spaß haben. Aber der Spaß endet, wenn Menschen angegriffen werden.»
Selbstgebaute Feuerwerksanlage beschlagnahmt
In Gropiusstadt in Neukölln beschlagnahmte die Polizei eine selbstgebaute Feuerwerksanlage, für die mehrere Batterien von Raketen durch Zünder miteinander verbunden waren. Fotos der Polizei zeigten die größere Anlage aus mehreren Kartons und Kisten voller Raketen, von denen elektrische Kabel zu einer Zündvorrichtung führten.
In Kreuzberg schoss laut Polizei ein Mensch gezielt auf eine Fensterscheibe und warf die Signalwaffe bei der Flucht weg. Eine andere Person schoss den Angaben nach mit einer Feuerwerksbatterie gezielt auf Fahrzeuge und Passanten. Beide Menschen seien festgenommen worden. In Mitte soll ein Mensch von einem Balkon Schüsse angegeben haben, vermutlich ebenfalls mit einer Schreckschusswaffe.
Wasserwerfer löscht brennende E-Scooter
Mit einem Wasserwerfer löschte die Polizei brennende E-Scooter und andere Gegenstände in Moabit. Mutmaßliche Randalierer hätten das Feuer auf der Beusselstraße entzündet. Die Akkus der Scooter brannten, wie der Polizeisprecher sagte. Mehrere hundert Menschen hätten drumherum gestanden. Weil die Feuerwehr aggressiv bedroht wurde, rückte der nicht weit entfernt stationierte Wasserwerfer der Polizei an, wie es hieß.
Feuer, Unfälle, Notfälle: 723 Einsätze der Feuerwehr nach Mitternacht
Von Mitternacht bis etwa 2.30 Uhr kam die Feuerwehr auf 723 Einsätze wegen Feuer, Unfällen oder Notfällen. Die meisten galten kleinen Bränden, oft betraf das auch Mülltonnen. Dazu kamen Hilfseinsätze wegen verletzten oder betrunkenen Menschen. Größere Feuer oder Unfälle mit zahlreichen verletzten Menschen wie in früheren Jahren habe es glücklicherweise nicht gegeben, so ein Sprecher. «Mein Eindruck ist, dass es insgesamt ruhiger ist als im letzten Jahr.»
Ein großes Feuer im Keller eines Mietshauses in Berlin-Neukölln löste einen Einsatz mit etwa 100 Feuerwehrleuten aus. Die Löscharbeiten dauerten mehrere Stunden. Ein Mensch wurde leicht verletzt.
Zahlreiche Balkonbrände
Ansonsten gab es sehr viele kleinere und einige größere Brände im Lauf der Silvesternacht. Wohnungen standen in Flammen, das Feuer sprang öfter von Balkonen über. Grund waren demnach Raketen, die auf Balkonen landeten.
In der Leipziger Straße in Mitte brannte den Angaben nach eine komplette Wohnung im neunten Stock eines Hochhauses aus. Verletzte habe es keine gegeben. Am S-Bahnhof Wedding brannte ein Aufsichtshäuschen auf einem Bahnsteig. Der Ringbahnverkehr der Linien S41 und S42 wurde deshalb zwischen den Stationen Gesundbrunnen und Westhafen unterbrochen.
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