Aus der Adresse Spreeweg 1 wird Elisabeth-Abegg-Straße 2, aus dem Schloss Bellevue der Amtssitz am Spreebogen: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sein Ausweichquartier in Berlin-Moabit bezogen. Nun kann die grundlegende Sanierung seines Amtssitzes beginnen. «Ich freue mich, dass es jetzt endlich losgeht, hier am neuen Amtssitz», sagte Steinmeier, als er seine Räumlichkeiten vorstellte.
Am Vormittag wurde zunächst die Standarte - ein goldfarbenes, quadratisches Tuch mit rotem Rand und dem Bundesadler in der Mitte - auf dem Dach von Schloss Bellevue eingeholt. Eine Stunde später wurde sie am Amtssitz am Spreebogen, der zwischen Kanzleramt und Hauptbahnhof liegt, neu gesetzt. Dies war das weithin sichtbare protokollarische Zeichen für den Abschluss des Umzugs, der sich mitsamt der Planung über Monate hingezogen hatte. Die Standarte signalisiert, dass dieses Übergangsquartier nun der Amtssitz ist.
Für Steinmeier ist es allerdings mehr als ein Übergangsquartier. Denn für die grundlegende Sanierung von Schloss Bellevue und des Bundespräsidialamts sind bis zu acht Jahre angesetzt. Steinmeiers Amtszeit endet im März kommenden Jahres. Er wird also als Staatsoberhaupt nicht wieder ins Schloss zurückkehren. Aber auch seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger - die Wahl ist am 30. Januar - wird die erste Amtszeit im Interimsquartier verbringen müssen.
Umzug erfolgt unter den Augen der Polizei
Vorausgegangen war ein Umzug, der alles andere als gewöhnlich war: 950 laufende Meter Akten, 900 Umzugskartons, aber auch Schreibtische, Stühle, Regale, Computer und Büropflanzen des Bundespräsidenten und seiner rund 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten vom eigentlichen Amtssitz zum vorübergehenden gebracht werden.
Ein Flügel gehörte ebenso zum Umzugsgut wie auf ihre Verleihung wartende Orden oder Hunderte Teller, Tassen, Schüsseln und Gläser. Nicht zu vergessen, die Küche von Chefkoch Jan-Göran Barth und der Weinkeller mit rund 5.000 Flaschen aus allen 13 deutschen Weinanbaugebieten. Dazu kamen 76 laufende Meter Personalakten mit Sicherheitseinstufung. Alles in allem also kein normaler Umzug - deshalb wurde er auch von der Bundespolizei sorgsam bewacht. Im neuen Domizil schnüffelten vor dem Einzug Spürhunde nach Sprengstoff.
Gemälde und Konferenztisch sind auch mit umgezogen
Und wie gefällt Steinmeier nun sein neues Quartier? «Es ist anders als in Bellevue. Aber wir haben natürlich in diesem modernen, eher funktionalen Gebäude gar nicht versucht, den Stil zu kopieren», sagte er in seinem neuen Amtszimmer. Es gebe aber «kleine Brücken zu Bellevue». Von dort zogen etwa Gemälde mit in sein neues Amtszimmer und auch der Konferenztisch, an dem er Staatsgäste aus aller Welt empfängt und Gespräche mit anderen Besuchern führt.
Im direkt daneben liegenden Arbeitszimmer stehen der Schreibtisch und eine Sitzgruppe aus dem Schloss. «Sie sehen, es sieht noch sehr aufgeräumt aus», sagte Steinmeier. Er freute sich, dass nun alles wieder seinen Platz hat. «Wir haben jetzt die letzten Tage, fast Wochen ausschließlich zwischen Kisten gearbeitet. Das hat jetzt ein Ende nach dem Umzug.»
Umfangreiche Sanierung steht bevor
Die Sanierung des Berliner Amtssitzes des Bundespräsidenten wurde wegen zahlreicher baulicher und technischer Mängel sowie gestiegener Anforderungen etwa an Sicherheit, Brandschutz, Energieeffizienz und Barrierefreiheit erforderlich. Im 1785 gebauten und unter Denkmalschutz stehenden Schloss Bellevue ist beispielsweise das Dach undicht, die Lüftungsanlagen funktionieren nicht mehr richtig, die Fenster sind nicht einbruchs- und schusssicher, an der Fassade zeigen sich Risse und an den Geschossdecken Korrosion.
Im Bundespräsidialamt, in dem der Stab des Bundespräsidenten arbeitete, muss knapp drei Jahrzehnte nach seiner Fertigstellung vor allem der Brandschutz auf den heutigen Stand gebracht werden. Auch die komplette Gebäudetechnik und die zentrale Versorgungsinfrastruktur werden erneuert. Das Gebäude braucht zudem eine moderne Notstromversorgung.
Die Bundespolizei, die für den Schutz des Amtssitzes zuständig ist, soll eine neue Hauptwache erhalten. Und auch in der denkmalgeschützten Parkanlage stehen Arbeiten an.
Klar ist bereits: Die Sanierung wird teuer. Fest vorgesehen sind 601 Millionen Euro. Für noch nicht kalkulierbare Risiken und mögliche Baukostensteigerungen sind laut Bundespräsidialamt weitere 259 Millionen Euro eingeplant. Macht zusammen 860 Millionen Euro. Rechnet man noch die anteiligen Kosten für das Ausweichquartier hinzu, ist man bereits bei fast einer Milliarde Euro. Später sollen in den Übergangsbau Bundesbehörden einziehen.
Steinmeier bleibt in Dienstvilla wohnen
Privat bleibt Steinmeier ein Umzug erspart - zumindest vorerst. Er wohnt mit seiner Frau Elke Büdenbender in einer Dienstvilla in Berlin-Dahlem. Mit dem Ende seiner Amtszeit muss er allerdings auch dort die Koffer packen. Der einzige Bundespräsident, der auch im Schloss Bellevue wohnte, war Roman Herzog in seiner Amtszeit von 1994 bis 1999. Bei einer Sanierung 2004/2005 wurden aus der Wohnung wieder Arbeitsräume.
Diese Sanierung damals war mindestens so nötig wie die jetzt anstehende. Seinerzeit fielen sogar immer wieder Strom und Wasser aus. Herzog soll das Schloss daher eine «Bruchbude» genannt haben.
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten