Die ständigen Angriffe seiner Frau wegen seiner angeblichen Rückständigkeit ist Wolfgang Bergmann echt leid. Das Paar trennt sich - und der Professor für Altertums-Forschung entpuppt sich als Technologie-Freak. Er ersetzt die Ehefrau durch Sophia - ein menschenähnliches KI-Wesen. «Sie ist ihm in ihrer Klugheit eine ebenbürtige Partnerin, die auch noch den Haushalt macht. Ein Sexroboter ist sie nicht», sagt der deutsche Dramatiker Moritz Rinke über die ganz besondere Figur in seinem Stück «Sophia oder Das Ende der Humanisten».
Das Vier-Personen-Stück, das Rinke als erste KI-Komödie bezeichnet, hat am Donnerstag seine Uraufführung in den Kammerspielen des Theaters in der Josefstadt in Wien. Am 15. März feiert es im Renaissance-Theater in Berlin mit Joachim Król Deutschland-Premiere. Auch ein Kinofilm soll entstehen.
Roboter als bedingungslos zugewandtes Wesen
Das Grundthema bewegt aktuell praktisch die ganze Welt: Wie gehen wir mit der KI um? Wo sind die Grenzen? Für den gelehrten Professor Wolfgang - einen Verehrer der Historiker-Koryphäe Theodor Mommsen (1817-1903) - ist die Sache klar. «Er ist wahnsinnig glücklich», sagt Rinke der Deutschen Presse-Agentur. Die kluge, geduldige, ihm bedingungslos zugewandte Sophia hilft dem 60-jährigen Wolfgang auch beim Verfassen von Vorträgen («Populismus im Alten Rom»). Nur ihre Bewegungen sind am Anfang etwas hölzern, aber sie lernt schnell.
Am Ende ein «Hitchcock-Moment»
Die Professoren-Tochter Helena und ihr Freund Jonas entwickeln ihre eigene Sicht auf das schöne Wissens-Monster. Helena, mäßig erfolgreicher Life-Coach, lehnt das Ding anfangs total ab. Der Informatiker Jonas, der seine Zukunft in der analogen Welt eines eigenen Restaurants sieht, öffnet dem Roboter wiederum die entscheidende Tür: Mit seiner Hilfe erhält Sophia einen selbstbestimmten Zugang zum Internet - und wird unkontrollierbar. «Jetzt hat er wieder eine Frau, die macht, was sie will», sagt der Autor. Am Ende warte ein «Hitchcock-Moment», verspricht Rinke.
«KI kann kein Rinke-Stück schreiben»
Er selbst nutze KI eigentlich nur als technischen Ratgeber, wenn es ums Reparieren von Dingen gehe, sagt der mehrfach ausgezeichnete 58-jährige Dramatiker, der mit seinem Roman «Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel» 2010 einen großen Erfolg landete. Auslöser für das Schreiben des gut zweieinhalbstündigen Stücks seien Erzählungen aus dem Freundeskreis gewesen, sagt Rinke. Eine Freundin seiner Frau suche Hilfe nicht mehr bei der Psychotherapeutin, sondern bei ChatGPT.
Gerade auch in der Kreativbranche, wie zum Beispiel im Film, greife KI immer weiter um sich - beim Analysieren von Drehbüchern und Schreiben von Dialogen, kritisiert Rinke. Das habe er auch bei eigenen Versuchen festgestellt. «Die KI ist nicht in der Lage, ein Rinke-Stück zu schreiben. Den Ton trifft sie nicht», sagt er über das Ergebnis.
Große Gefahr für junge Generation
Und was verliert gerade die junge Generation, die ganz selbstverständlich die KI in ihr Leben lässt? «Es droht der Verlust von Selbstbewusstsein, allein mit der Kraft der Vernunft und des Denkens Lösungen und Antworten auf Probleme zu finden», sagt der Autor.
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