Sie haben mit Punkten gemalt und wollten so eine besondere Leuchtkraft auf die Leinwand bringen: Knapp 100 Werke aus dem Neoimpressionismus sind vom 4. Juli an im Potsdamer Museum Barberini zu sehen.
Unter dem Titel «Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus» zeigt die Ausstellung Malereien des Franzosen - und 17 weiterer Künstlerinnen und Künstler. Beim ersten Blick in die Schau war auch die Urenkelin von Signac dabei und sichtlich bewegt: Charlotte Cachin.
Was ist Neoimpressionismus?
«Ein Feuerwerk der Farben» nennt Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini, den Neoimpressionismus. Mitte der 1880er-Jahre führte Paul Signac mit Georges Seurat diese neue Malweise in die Kunst ein: Sie entwickelten den Impressionismus weiter.
Auch sie wollten den flüchtigen und subjektiven Eindruck eines Augenblicks einfangen, unter anderem das Zusammenspiel von Licht, Farbe und Atmosphäre. Das machten sie, indem sie Landschaften und Menschen mit Punkten malten - mal fein, mal gröber.
«Sie haben nicht gegen den Impressionismus gearbeitet, sondern sie sind weitergegangen in ihrer Generation, haben etwas hinzugefügt», erklärt Westheider. «Sie haben mehr gezeichnet, mehr konstruiert vielleicht, aber ihre Werke sind an denselben Landschaften entstanden, an denselben Orten.»
Signac wurde nach dem frühen Tod von Seurat Vermittler und Wortführer der Bewegung. «Diese ganze Punkttechnik ist wirklich nur Mittel zum Zweck», sagt Nerina Santorius, Kuratorin der Ausstellung im Barberini. Das habe Signac immer wieder betont, und es sei ihm darum gegangen, eine maximale Leuchtkraft und Harmonie in seinen Bildern zu erzeugen. «Und das Mittel, um diese Leuchtkraft zu erzeugen, ist die Kombination von komplementären Farben».
Wer war Paul Signac?
«Signac war eine sehr starke Persönlichkeit, sehr enthusiastisch, spontan und sehr, sehr kommunikativ», sagte seine Urenkelin Charlotte Cachin, die zur Schau angereist war. Für sie sei das ein besonderer Moment. Signac habe Musik geliebt; viele Titel seiner Werke enthielten Begriffe aus der klassischen Musik, erzählte Cachin.
Was Signac auch liebte, war das Segeln: Ein Porträt von ihm ist in der Ausstellung zu sehen. Er sitzt am Steuer seines Bootes Olympia und schaut zur Seite - sein Kopf steht im Zentrum, was als Symbol für seine führende Rolle im Neoimpressionismus gedeutet werden kann. Gemalt hat es Théo van Rysselberghe im Jahr 1896.
Daten und Fakten über die Ausstellung
Die Ausstellung - eine Kooperation mit der Kunsthal Rotterdam - umfasst fast 100 Werke, von denen mehr als ein Drittel von Paul Signac stammen. Sie stehen laut Barberini im Dialog mit Gemälden unter anderem von Lucie Cousturier, Henri-Edmond Cross, Maximilien Luce, Camille Pissarro, Théo van Rysselberghe, Georges Seurat und Jan Toorop.
Jeanne Selmersheim-Desgrange, Signacs zweite Partnerin, ist laut Kuratorin Santorius ebenfalls als Künstlerin vertreten - mit einem Porträt und einem Spielzeug-Stillleben. Eine Seltenheit, denn Künstlerinnen wie sie seien in der Kunstgeschichte oft unerwähnt geblieben.
Ein Tag an der Côte d'Azur in Potsdam
Es sei die erste umfassende Signac-Schau in Deutschland seit 30 Jahren, die seine zentrale Rolle im Neoimpressionismus beleuchte, hieß es vom Museum. Zu sehen ist sie vom 4. Juli bis 11. Oktober 2026 im Museum Barberini in Potsdam. Danach macht sie Station in der Kunsthal Rotterdam, vom 24. Oktober 2026 bis 28. Februar 2027.
Laut Direktorin Westheider zeigt die Ausstellung viele Sehnsuchtsorte für den Sommer: «Ich glaube, man kann gut Urlaub hier machen, denn es ist ein Tag an der Côte d'Azur in Potsdam.»
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