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Schloss Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern wiedereröffnet – gesamte Anlage erstmals museal erfahrbar

Schloss Ludwigslust ist das Herz einer barocken Anlage, die jährlich Zehntausende Besucher anzieht. (Archivbild) / Foto: Jens Büttner/dpa
Schloss Ludwigslust ist das Herz einer barocken Anlage, die jährlich Zehntausende Besucher anzieht. (Archivbild) / Foto: Jens Büttner/dpa

Schloss Ludwigslust war jahrelang eine Baustelle. Jetzt wird es erstmals wieder komplett zu erleben sein. Darauf können sich Besucher freuen.

Im Ludwigsluster Schloss lebte einst eine Tochter der preußischen Königin Luise, tanzte eine russische Großfürstin, stieg der deutsche Kaiser für herbstliche Jagden ab. Das Schloss, heute unweit der Autobahn A24 Hamburg-Berlin und an der ICE-Strecke Hamburg-Berlin gelegen, war jahrelang in großen Teilen eine Baustelle. Nach umfangreicher Sanierung und Neugestaltung wird am Samstag (30. Mai) groß die Wiedereröffnung gefeiert - mit kostenfreiem Eintritt und barockem Treiben auf dem Rasenparterre im Park. 

«Damit wird nun erstmals das gesamte Schloss in einem Rundgang museal erfahrbar», sagt die Direktorin der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern (SSGK), Pirko Kristin Zinnow. Zur festlichen Eröffnung wird Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) erwartet.

Ab 2016 konnte nach grundlegender Restaurierung der Ostflügel besichtigt werden - dort residierte einst der Herzog. Zugleich begannen die Bauarbeiten im Westflügel, der traditionell die Parade-Appartements der Damen beherbergte. Auch der Goldene Saal in der Mitte wurde einer Verjüngungskur unterzogen. Das Highlight dort ist der vergoldete Papiermaché-Raumschmuck, dessen Restaurierung ob der Seltenheit des Materials eine besondere Herausforderung darstellte.

Millionen-Projekt

Während der Westflügel von Schloss Ludwigslust seit Frühjahr 2016 für die umfassende Neugestaltung und Restaurierung geschlossen war, konnte der Goldene Saal noch bis Herbst 2022 für Schlosskonzerte genutzt werden. Dann übernahmen auch dort die Bauleute und Restauratoren die Regie.

Die Arbeiten waren ein Millionen-Unterfangen. In die Restaurierung des Westflügels und der historischen Räume wurden den Angaben zufolge 18,3 Millionen Euro investiert. Für das Gestalten der neuen Dauerausstellung hat die SSGK noch einmal rund 1,6 Millionen Euro aufgewandt. Auf drei Etagen mit 25 Räumen entstand eine neue Schau zur höfischen Welt des 18. und 19. Jahrhunderts.

Was zeigt die Dauerausstellung?

Zu sehen gibt es etwa das Parade-Appartement der preußischen Prinzessin Alexandrine, die 1822 den Erbgroßherzog von Mecklenburg-Schwerin heiratete und nach Ludwigslust zog. Sie war eine Tochter von Königin Luise. Entsprechend große Mühe floss in das Ausgestalten ihrer Wohnung.

Alexandrines Schlafzimmer zählt zu den Höhepunkten. «Kostbare Stoffe, originale Ausstattungsstücke und feinste Restaurierungskunst lassen höfischen Glanz unmittelbar spürbar werden», heißt es von der SSGK. «Besucherinnen und Besucher tauchen hier unmittelbar in die private Wohnwelt der preußischen Prinzessin ein.» Alexandrines prachtvolles Bett fand sich auf dem Dachboden des Schlosses und ist jetzt wieder an Ort und Stelle zu bewundern.

Teeservice einer russischen Großfürstin

Als weiteres Highlight gilt das goldene Kaffee- und Teeservice der russischen Zarentochter Helena Paulowna, die 1799 - als 14-Jährige - Erbprinz Friedrich Ludwig zu Mecklenburg heiratete und nach Ludwigslust zog. Nur wenige Jahre später starb sie dort, einige Monate nach der Geburt ihrer Tochter.

Über das goldene Service sagte eine Sprecherin der SSGK: «Das kostbare Ensemble zählt zu den bedeutendsten Objekten der neuen Ausstellung und erzählt von den engen europäischen Verbindungen des mecklenburgischen Hofes». Das Geschirr gehörte zum Brautschatz der Großfürstin. Ihr Sohn Paul Friedrich sollte 1822 Alexandrine von Preußen heiraten.

Die Ausstellung erzählt von 70 Jahren mecklenburgischer, deutscher und europäischer Geschichte, in denen Mecklenburg-Schwerin immer wieder eine Rolle spielte. In diesen 70 Jahren - von 1765 bis 1837 - war Ludwigslust die Hauptresidenz des Herzogtums, das sich nach den Napoleonischen Kriegen ab 1815 Großherzogtum nennen durfte.

Mecklenburg und das internationale Parkett

Im Ostflügel des Ludwigsluster Schlosses hängt seit neuestem ein Gemälde der britischen Königin Charlotte, die Jüngeren aus der Netflix-Serie «Bridgerton» ein Begriff sein dürfte. Sie stammte aus Mirow in Mecklenburg-Strelitz, dem anderen mecklenburgischen Herzogtum. Mit den Mecklenburg-Schwerinern war man verwandt - Charlotte ist die Cousine des Schlosserbauers von Ludwigslust, Herzog Friedrich, gewesen.

Während Friedrich im Ostflügel seines Schlosses residierte, bei dessen Planung er gehörig mitgeredet hatte, wohnte seine Gattin Luise Friederike im Westflügel. Sie war eine geborene Prinzessin von Württemberg. In der Ländlichkeit von Ludwigslust hielt sie es allerdings nicht so recht aus - sie legte sich ein Haus in Hamburg zu. Dort verbrachte sie meist ihre Sommer.

Eine Prinzessin aus Ludwigslust heiratete 1806 den Erbprinzen von Dänemark, eine andere verlobte sich 1795 mit dem späteren schwedischen König. Die Hochzeit wurde allerdings von der russischen Zarin Katharina der Großen hintertrieben, die ihre Tochter auf dem schwedischen Thron sehen wollte - was letztlich auch nichts wurde. Katharinas Enkelin Helena Paulowna heiratete vier Jahre nach diesem Zwischenfall den Mecklenburg-Schweriner Erbprinzen Friedrich Ludwig - mancher sieht darin auch einen Akt der Wiedergutmachung.

Jagdschloss ab 1837

Im Jahr 1837 verlegte der Großherzog die Residenz wieder nach Schwerin. Fortan diente Schloss Ludwigslust als Nebenresidenz und Jagdschloss. Großer Besuch kam gerne zur Jagd in den ausgedehnten umliegenden Wäldern. Regelmäßig reiste etwa der deutsche Kaiser Wilhelm an, der übrigens ein Bruder von Alexandrine war. Auch ein Besuch des russischen Zaren Alexander III. ist belegt.

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