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Polizei will psychisch kranke Täter früher erkennen

Psychisch kranke Menschen, die zugleich gefährlich werden können, hat die Polizei manchmal nicht rechtzeitig im Blick. Daher kommt es manchmal zu Gewalttaten. Nun soll ein Pilotprojekt helfen.

Psychisch gestörte und zugleich gefährliche Menschen sollen künftig von der Berliner Polizei früher erkannt und gestoppt werden. Das kündigte Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel der Nachrichtenagentur dpa an. «Wir sehen bereits seit längerem immer häufiger Menschen, die verhaltensauffällig sind, also unter Drogen stehen oder psychische Erkrankungen aufweisen, und in diesem Zusammenhang schwere Straftaten begehen.»

Im Austausch mit anderen Bundesländern habe auch die Berliner Polizei ein System entwickelt, «wie wir diese Personen rechtzeitig identifizieren können, um möglichst schwere Straftaten zu verhindern», sagte Slowik Meisel. Ab April solle es zunächst als Pilotprojekt umgesetzt werden. 

«Es geht um Menschen mit Risikopotenzial, die die Allgemeinheit gefährden. Diese Menschen wollen wir in einem Drei-Stufen-Modell identifizieren.» Der erste Schritt gelte für Polizeibeamte, die mit den Personen zuerst in Kontakt kommen – auf der Straße etwa, bei Kontrollen oder Einsätzen, sagte sie weiter. «Denen geben wir kurze und prägnante Kriterien zur Beurteilung an die Hand.»

Risikoanalyse an verschiedenen Stellen

Sind diese Kriterien erfüllt, werden die Personalien weitergeleitet an eine zentrale Stelle bei der zuständigen Polizeidirektion in Berlin. Dort gebe es eine Risikoanalyse, so Slowik Meisel. Stelle man dort eine konkrete Gefahr fest, etwa weil jemand schon mehrfach durch Gewalttaten aufgefallen ist, greife die dritte Stufe. 

«Wenn sich wirklich der Eindruck verfestigt, dass ein Risiko zur Begehung schwerer Straftaten besteht, wird das LKA eingeschaltet.» Dort gebe es eine Einheit für eine individuelle erweiterte Risikoanalyse. Dazu gehöre eine psychotherapeutische Expertise, das sei wichtig. «Hier wird entschieden: Brauchen wir eine Fallkonferenz? Ist der sozialpsychiatrische Dienst nötig? Müssen wir womöglich einen Unterbringungsbeschluss beantragen?»

Slowik Meisel betonte dabei: «Es bleibt in erster Linie ein kranker Mensch.» Wegen zunehmend mehr dieser kranken Menschen mit Risikopotential für die Allgemeinheit müssten Gesellschaft und Gesundheitswesen Unterstützung durch Fachkliniken oder ambulante Krisendienste bereithalten. «Als Polizei können wir versuchen, diese Menschen zu identifizieren und der Allgemeinheit durch polizeiliche Maßnahmen einen ersten Schutzmantel vor schwerer Gewalt umlegen.»

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