„Mutti räumt auf“ heißt eine Sonderausstellung im Museum Schloss und Festung Senftenberg. Weil die Schau über Kinderzimmer der DDR so erfolgreich ist, wird sie verlängert.
Eine Familie beugt sich über eine Vitrine im Obergeschoss. Bis hierher haben sie etwas über Festungsgeschichte, den Kosmos einer Kleinstadt und die Anfänge des Braunkohlebergbaus in der Lausitz gelernt. Zudem erfahren, dass Senftenberg bis 1815 zu Sachsen gehörte. Mit gelbem Bauhelm und Mut sind sie einen steilen, dunklen Gang ins Besucherbergwerk hinabgestiegen. Einst Burg, dann Schloss, Festung, später Gericht und Schule und nun Museum – in der 1000-jährigen Geschichte des Ortes nimmt die DDR nur einen Bruchteil ein. Doch kleine und große Besuchende zeigen sich seit Monaten von Exponaten aus ostdeutschen Kinderzimmern fasziniert.
Museum Schloss und Festung Senftenberg
Das Kinderzimmer als vielschichtiger Ort
Im eigenen kleinen Reich darf man ungestört von den Eltern spielen, Freunde treffen, aber auch Hausaufgaben erledigen. Vielleicht am Arbeitsplatz der Kinderschrankwand Modell „Michaela“, vielleicht an einem selbst gezimmerten Schreibtisch. Im Schrank hängen gestrickte Pullover, selbstgenähte farbenfrohe Spielkittel und Lederhosen. Kinderbekleidung sollte vor allem praktisch sein. Aber nicht immer hatten Kaufhäuser saisongerechte Ware auf Lager. Do-it-your-self-Mode mit Schnittmustern aus Zeitschriften war üblich.
Da klingelt das Telefon. Frau Puppendoktor Pille, nebenan im Schwarz-Weiß-Fernseher, wird zu einem Notfall gerufen: „Teddy und Hase sind vom Schaukelpferd gestürzt. Ich bin gleich da.“
Ein Tipi-Zelt, ein zweistöckiges Puppenhaus, ein Kaspertheater, ein Kaufmannsladen, Holzautos und ein Plastekipper stehen hinter einer Glaswand. Der große Teddybär liegt zugedeckt im Kinderbett. „Bummi, Bummi, brumm brumm brumm“, singt ein Mann vor sich hin. Ein kleines Schild weist darauf hin, dass Betten früher Sprungfedern hatten und heute aus Lattenrosten bestehen. Zwei rote Plüschtiere mit Plastegesichtern und großen Augen lümmeln auf einer Bank. Niedlicher als Labubus, finden zwei etwa 13-jährige Mädchen.
Tipi-Zelt und Kaspertheater
