Ein neuer Index zeigt, wo Hunde in Deutschland am besten leben – und wo nicht. Hannover führt das Ranking der 25 größten Städte mit großem Vorsprung an, am unteren Ende reihen sich vor allem süddeutsche Metropolen. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick.
Rund 10,6 Millionen Hunde leben nach aktuellen Schätzungen in deutschen Haushalten – so viele wie nie zuvor. Für viele Halter sind die Vierbeiner längst feste Familienmitglieder. Doch nicht jede Stadt bietet ihren tierischen Bewohnern die gleichen Bedingungen. Der „Dog Wellbeing Index 2026" von Coway Europe, einem Unternehmen für Luftfilter, hat die 25 größten deutschen Städte auf ihre Hundefreundlichkeit untersucht. Das Ergebnis: Zwischen den Städten klaffen enorme Lücken bei der Lebensqualität für Vierbeiner.
Sieben Faktoren entscheiden über das Hundewohl
Für den Index wurden sieben Indikatoren herangezogen und auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet: die Anzahl der Hunde pro Einwohner, der Anteil der Grünflächen, die Zahl der Tierärzte, die Verfügbarkeit von Hundepensionen, die Luftqualität (gemessen am PM2.5-Wert), Angebote für Hundepflege sowie die Anzahl der Hundeschulen. Die maximale Gesamtpunktzahl lag bei 70 Punkten.
Der Ansatz ist bewusst umfassend: Er kombiniert harte Infrastrukturfaktoren wie tierärztliche Versorgung mit Umweltfaktoren wie Luftqualität und weichen Kriterien wie dem Bildungsangebot in Hundeschulen. Nur wer in möglichst vielen Kategorien gut abschneidet, landet oben im Ranking.
Hannover an der Spitze – mit deutlichem Abstand
Mit einer Gesamtpunktzahl von 55,1 Punkten sichert sich Hannover den ersten Platz im Ranking. Die niedersächsische Landeshauptstadt überzeugt vor allem durch eine hervorragende Infrastruktur: Bei der Anzahl der Hundeschulen und Pflegeangebote erreicht Hannover die Maximalpunktzahl. Zudem gibt es hier im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Hunde, gepaart mit einer sehr guten Luftqualität.
Auf den Plätzen zwei und drei folgen Duisburg (39,4 Punkte) und Hamburg (39,3 Punkte). Duisburg punktet insbesondere mit einer exzellenten tierärztlichen Versorgung und vielen Hundepensionen, während Hamburg durch ein ausgewogenes Profil mit vielen Grünflächen und guter Luftqualität besticht. Auch mittelgroße Städte wie Bielefeld (Platz 4) und Wuppertal (Platz 7) schaffen es ins obere Drittel – ein Hinweis darauf, dass Größe allein kein Garant für hundefreundliche Bedingungen ist.
Süddeutsche Metropolen am Ende der Skala
Am anderen Ende der Skala finden sich überraschenderweise süddeutsche Metropolen: Nürnberg und München teilen sich mit jeweils 19,2 Punkten den letzten Platz, knapp hinter Mannheim (20 Punkte) und Stuttgart (20,1 Punkte). Vier der fünf hintersten Plätze gehen damit an Städte aus Bayern und Baden-Württemberg – ein überraschendes Ergebnis angesichts der hohen Lebensqualität, die diese Städte sonst für Menschen bieten.
Der Grund liegt in einer Kombination aus hoher Bebauungsdichte, starkem Verkehrsaufkommen und damit verbundener Luftbelastung. Die Studie macht deutlich: Wirtschaftliche Stärke und hundefreundliches Umfeld sind nicht dasselbe.
Luftqualität: Der unterschätzte Faktor
Besonders die Luftqualität erwies sich als entscheidender Faktor: Städte mit einer hohen Feinstaubbelastung rutschten im Ranking deutlich ab. So verzeichnete beispielsweise Bochum den schlechtesten Wert bei der Luftqualität (0,0 Punkte), was maßgeblich zur niedrigen Gesamtpunktzahl von 26,1 beitrug.
Für Hunde ist dieser Aspekt besonders relevant: Weil sie mit ihrer Nase dichter am Asphalt laufen, wo sich Abgase und Feinstaub konzentrieren, atmen sie pro Kilogramm Körpergewicht mehr Schadstoffe ein als Menschen. Chronische Atemwegserkrankungen, Allergien und Herz-Kreislauf-Probleme können die Folge sein – besonders bei kurznasigen Rassen wie Französischen Bulldoggen oder Möpsen, die ohnehin mit Atembeschwerden zu kämpfen haben.
Coway Europe kommentiert: „Die Daten zeigen deutlich, dass Luftqualität ein entscheidender Faktor für das Gesamtwohlbefinden ist. Städte mit schlechteren Luftbedingungen schneiden durchgehend schlechter ab – unabhängig von ihrer Infrastruktur."
Grünflächen und saubere Luft als Schlüsselfaktoren
Die Studie verdeutlicht, dass eine gute Infrastruktur allein nicht ausreicht. Städte wie Bielefeld und Wuppertal zeigen, dass ein hoher Anteil an Grünflächen und eine gute Luftqualität das Gesamtergebnis signifikant verbessern können. Hunde brauchen Bewegung, Erkundungsreize und Kontakt zu Artgenossen – all das lässt sich in asphaltdominierten Innenstädten nur schwer realisieren.
Hinzu kommt: Zugang zu wohnortnahen Grünflächen senkt den Stress für Halter und Tier. Lange Anfahrten zum nächsten Park oder Wald sind im Alltag oft nicht leistbar, besonders für Berufstätige. Städte, die dezentrale Auslaufflächen bieten – Hundewiesen, waldnahe Wohngebiete, gut angebundene Parks – punkten hier doppelt.
Fazit: Stadtplanung muss Hunde mitdenken
Der Dog Wellbeing Index 2026 macht deutlich, dass Lebensqualität für Hunde zunehmend als Bestandteil moderner Stadtentwicklung verstanden werden muss. Wer eine lebenswerte Umgebung für Menschen und ihre Haustiere schaffen möchte, muss neben Dienstleistungsangeboten vor allem auf ausreichend Natur und saubere Luft in den Ballungsräumen achten.
Coway Europe fasst die Ergebnisse zusammen: „Städte, die langfristig attraktiv für Menschen und ihre Haustiere sein wollen, müssen urbane Entwicklung und Umweltqualität stärker miteinander verbinden."
Angesichts von über 10 Millionen Hunden in Deutschland ist das weit mehr als eine Nische: Es ist eine Frage der Lebensqualität für Millionen Haushalte – und eine wachsende Herausforderung für Kommunalpolitik und Stadtplanung.